 höchsten Jammers daran denken, oder
die armseligen Summen zählen können; doch bin ich überzeugt, dass die Frau Gräfin
mir Alles längst vielfach ersetzt hat, und ich habe in dieser Rücksicht nichts
zu fordern.
    Wenn Sie denn also nichts annehmen wollen, sagte der Graf gerührt, so geben
Sie wenigstens jeden Dienst im Hause auf und leben Sie als ein Freund mit uns,
dem wir unsere Dankbarkeit werden zu beweisen streben.
    Und warum wollen der Herr Graf mir meine Funktion abnehmen? fragte der
Haushofmeister lächelnd.
    Weil ich meinen Freund nicht zum Diener erniedrigen will, sagte der Graf,
indem er die Hand des alten Mannes drückte.
    So hoch mich dies Wort auch ehrt, versetzte Dübois mit großer
Bescheidenheit, so erlaube ich mir doch zu bemerken, dass ich nicht einzusehen
vermag, worin meine Erniedrigung bestände, wenn ich bei meiner gewohnten
Beschäftigung bleibe. Ich glaube, es hängt von der Art ab, wie ein Geschäft
betrieben wird, ob es edel oder unedel zu nennen ist, und wenn die wichtigsten
Aemter im Staate mit knechtischer Seele, bloß des eigenen Gewinns wegen,
verwaltet werden, ohne den freien Antrieb der wahren Vaterlandsliebe und innigen
Verehrung für den Monarchen, so ist derjenige, der sie ausübt, mag er äußerlich
so hoch stehen, wie er will, doch ohne wahre Erhabenheit in meinen Augen; und
wenn ich voll ehrfurchtsvoller Liebe aus freiem Antriebe meines Herzens mein
Leben dem Dienste einer edelen Herrschaft widme, und wenn mein treues Auge
darüber wacht, dass bei Ihrem großen Haushalte Ihre Einkünfte nicht verschwendet
werden und Ihnen so die Mittel bleiben, unendlich viel Gutes zu tun, so habe
ich Anteil an allem Guten und Großen, was auf diesem Wege erreicht werden kann,
und ich fühle mich durch meine Beschäftigung nicht erniedrigt.
    Sie haben Recht, sagte der Graf, durch die Wahrheit in den einfachen Worten
des alten Mannes überrascht. Handeln Sie ganz, wie Sie wollen, nur versprechen
Sie mir, keine Anstrengung zu übernehmen, die Ihnen bei Ihrem Alter nachteilig
sein könnte. Der alte Mann versprach dies willig und sagte dann: die Wahrheit
meiner Ansicht ist mir durch unsern guten Gustav erst recht deutlich geworden.
Er wird gewiss einmal ein ausgezeichneter Gelehrter, daran lässt sich bei seinem
großen Fleiß gar nicht zweifeln, und er war schon ein halber Student, als sein
edler Beschützer sich seiner annahm. Sind ihm denn dadurch seine Vorzüge
genommen, dass er aus freiem Antriebe seinem väterlichen Freunde alle Dienste
leistete, die dieser bedurfte, so lange ihm die Mittel fehlten, es anders
einzurichten, und müssen wir den Knaben nicht um so höher achten, der solcher
Liebe fähig war?
    Sie haben Recht, sagte der Graf, und ich freue mich, so oft ich den jungen
