 Leben fühlte,
welches sich so glänzend und neu vor mir ausbreitete, versprach ich mir
innerlich, leise, aber fest, eine Welt nicht zu verlassen, deren Zauber, sobald
ich ihn kennen lernte, so mächtig auf mich wirkte.
 
                                      III
Wir hatten Luzern erreicht, in dessen Nähe die Tante meiner Mutter ein herrlich
gelegenes Landhaus bewohnte. Mit aufrichtiger Liebe wurden wir von der mehr als
siebzigjährigen Frau empfangen, die das nahe Ende ihres einfachen, schönen
Lebens mit Ruhe und Heiterkeit erwartete, und sich durch die Gegenwart naher
Verwandten gestärkt fühlte; aber dennoch ließ sich bald bemerken, dass ihre
Hoffnung nicht vollkommen befriedigt war, und dass der beschränkte Geist meiner
guten Mutter ihr die Unterhaltung nicht gewähren konnte, die sie in ihren
einsamen Stunden durch das Beisammensein mit einer Verwandten erwartet hatte.
Ihr wahrhaft frommer Sinn konnte eben so wenig damit zufrieden sein, dass ich
schon vor meiner Geburt zum Opfer für einen Andern bestimmt war, und wenn sie
die Ansichten meiner Mutter in dieser Hinsicht bekämpfte, so machte dies deshalb
einen erschütternden Eindruck auf diese, weil sie keine frevelnde Freigeisterei
bei ihrer Tante voraussetzen durfte, sondern sie in allen Handlungen ihres
Lebens als fromme Katolikin verehren musste.
    Meine große Jugend erregte die Teilnahme dieser vortrefflichen Frau, und
indem sie für meine Bildung zu sorgen beschloss und mich deshalb mehr an sich
zog, bemerkte sie mit Schrecken eine völlig verwahrloste Erziehung, und auf die
Vorwürfe, welche sie meiner Mutter darüber machte, glaubte diese genügend mit
der Frage antworten zu können, von welchem Nutzen mir weltliche Kenntnisse bei
meinem künftigen Aufenthalte im Kloster sein könnten, und ob sie nicht im
Gegenteil dazu dienen würden, in mir eine Sehnsucht nach der Welt zu erregen,
die ich bestimmt sei zu verlassen. Die Tante suchte ihr die Gefahr auseinander
zu setzen, die darin liege, wenn ein so lebhafter, feuriger Geist als der meine
gar keine Nahrung erhielte und alle Hülfsquellen in der künftigen Einsamkeit nur
in sich suchen müsse, worauf meine Mutter auf Beichte und Gebet als die
sichersten Stützen der Seele hindeutete.
    Die Tante gab bald jeden Streit über diesen Gegenstand auf und benutzte ihre
Überlegenheit des Geistes, um für mich, ohne weiter zu fragen, Lehrer in allen
nötigen Wissenschaften anzunehmen, und da sie mich zugleich zu allen frommen
Übungen anhielt, die die Kirche vorschreibt, so konnte meine Mutter keinen
Grund finden, sich einer Einrichtung zu widersetzen, von der die Tante
behauptete, dass sie ihr eine erheiternde Beschäftigung im Alter gewähre.
    Für mich begann in dieser Zeit ein so glückseliges Leben, dass vielleicht
durch die Trunkenheit, in der mein Geist sich befand, alle Fähigkeiten meiner
Seele erhöht wurden und so die Bewunderung meiner guten Tante erregten. Meine
Mutter konnte mich hier nicht auf das
