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    So wenig, erwiderte die Gräfin, wie wir lauter gelehrte Männer besitzen,
denn wo Neigung und Geistesfähigkeit nicht vorhanden ist, kann sie auch nicht
ausgebildet werden; ja ich glaube zu Ihrer Beruhigung versichern zu können, fuhr
die Gräfin fort, dass es mit sehr wenigen Ausnahmen gar keine gelehrte Frau geben
kann, so wenig wie eine Künstlerin im wahren Sinne des Worts.
    So geben also die Frau Gräfin hierin doch die Überlegenheit des männlichen
Geschlechts zu? fragte der Pfarrer.
    Nicht weil ich glaube, erwiderte die Gräfin, dass die Fähigkeiten des einen
Geschlechts an sich größer wären, als die des andern, aber hierin, glaube ich,
entscheiden in der Natur begründete Verhältnisse. Gewöhnlich wird ein junges
Mädchen zwischen dem achtzehnten und zwanzigsten Jahre verheiratet, und ihre
Erziehung ist damit beendigt. Ein junger Mann in diesem Alter lernt eben erst
seine Seelenkräfte kennen und bildet sich selbstständig in der ihm angemessenen
Richtung aus; er wählt dann seine Studien, sucht in den Geist der Wissenschaft
einzudringen, die ihn besonders anzieht, und widmet ihr sein ganzes Leben. Eine
Frau übernimmt, indem sie sich verheiratet, wenigstens in Deutschland die
Pflicht, ihrem Hause vorzustehen, und die vielen kleinen Beschäftigungen und
Sorgen zerstückeln so sehr das Leben, dass an eine ernsthaftes Studium kaum mehr
zu denken ist. Mit der Geburt der Kinder treten neue Sorgen ein, und es kann
eine Frau schon von Glück sagen, wenn sie so viel Geisteskraft behält, um sich
nicht völlig zu vernachlässigen. Desshalb kann auch selbst ein hervorragender
Geist unter den Frauen nur Geringeres leisten, und was wir an den
Ausgezeichnetsten unseres Geschlechts anzuerkennen haben, wird immer vornehmlich
durch Tiefe des Gefühls, durch einen scharfen beobachtenden Geist, durch ein
glückliches Gedächtnis errungen sein. Wenn also auch eine Frau sich mancherlei
Kenntnisse gleichsam im Fluge erwerben kann, wenn sie auch einen richtigen Blick
für das Leben gewinnt, wenn ihr Selbstbeobachtung manches Geheimnis der
menschlichen Natur erschliesst, so kann sie eine höchst interessante Erscheinung,
aber niemals eine Gelehrte sein.
    So würde also das Kölibat erfordertich sein, um eine Gelehrte
hervorzubringen, sagte der Prediger.
    Auch dann würde mit sehr wenigen Ausnahmen nur unvollkommen der Zweck
erreicht werden, sagte die Gräfin. Was dem jungen Manne so leicht wird, ist für
eine Frau unmöglich, sie könnte keine hohe Schule, keine öffentlichen Hörsäle
besuchen; es müsste also, da sie sich unter die Studenten nicht mischen dürfte,
ihr Vermögen so bedeutend sein, dass sie sich die vorzüglichsten Lehrer auf
andere Weise verschaffen könnte, und dennoch würde ein solches, in der
Einsamkeit getriebenes Studium immer unvollkommen bleiben und zur Einseitigkeit
führen, denn sie müsste den lebendigen Austausch der Gedanken mit gleich
beschäftigten Freunden entbehren, durch den die Ausbildung der Männer so
