 eine Amme bei ihrem
Kinde hätte, die es sich beikommen ließe, eine Nacht hindurch tanzen zu wollen,
dass sie sehr unzufrieden damit sein würde; aber, wie gesagt, es ist eine moderne
Torheit, und es wäre hart, wenn die jungen Frauen alle Lust des Lebens aufgeben
sollten, weil sie etwas unternommen haben, was sich mit dieser Lust nicht
vereinigen lässt.
    Es ist wahr, rief der Arzt, die Frauen sind auf die Häuslichkeit angewiesen
von der Natur, dies ist ihre wahre und einzige Bestimmung.
    Das ist eine Behauptung, der sich gar nicht widersprechen lässt, sagte die
Gräfin, ob ich gleich überzeugt bin, dass wir beide einen ganz verschiedenen Sinn
damit verbinden.
    Und ich denke, meinte der Prediger, der Begriff der Häuslichkeit ließe sich
leicht feststellen, und es könnte nicht schwer fallen, die Pflichten einer Frau
auseinander zu setzen, die hauptsächlich in hingebender Liebe bestehen. Ich habe
es immer getadelt, dass bei der Erziehung der jungen Mädchen mehr darauf gesehen
wird, dass sie glänzen sollen, als dass man sie zu künftigen Gattinnen bildet, die
ihre Pflicht erfüllen könnten, die doch hauptsächlich darin besteht, den Mann zu
beglücken.
    Ich möchte nicht gern, sagte die Gräfin, einen oft geführten Streit von
Neuem führen, es sind so unzählige Bücher geschrieben worden, die davon
ausgehen, den Satz als unbestreitbar hinzustellen, dass die Frauen dazu da sind,
die Männer zu beglücken, und deren Verfasser sich nur in Ratschlägen
erschöpfen, wie dies am besten zu bewerkstelligen sei, dass viel Mut dazu
gehört, sich gegen die allgemeine Ansicht aufzulehnen.
    Wie! rief der Prediger, ist es möglich, an der edelsten Bestimmung des
Weibes zu zweifeln?
    Würden Sie nicht finden, Herr Prediger, sagte die Gräfin, dass es eine
seltsame Anmassung wäre, wenn Jemand behaupten wollte, es sei die erste und
heiligste Pflicht der Männer, ihre Frauen zu beglücken; sie wären eigentlich nur
dazu da; und halten Sie den Schöpfer für so parteilich, dass er ein Geschlecht
bloß dazu erschaffen haben sollte, damit das Andere beglückt wird? Ich glaube,
dass sich beide Geschlechter ergänzen, dass aber beide ihre Selbstständigkeit
bewahren müssen, und der größte Fehler in der weiblichen Erziehung liegt wohl
darin, dass auf diese Selbstständigkeit wenig Rücksicht genommen wird und die
armen jungen Mädchen nur für ihre künftigen Gatten gebildet werden.
    Der Geistliche wollte die Gräfin unterbrechen, aber, ohne es zu bemerken,
fuhr sie fort: Warum sollen die Talente, die Fähigkeiten und alle schönen
Eigenschaften der Seele eines jungen Mädchens nicht eben sowohl ausgebildet
werden, als die eines Knaben, schon um ihrer selbst Willen?
    Dann würden wir also lauter gelehrte Frauen haben, bemerkte der Pfarrer mit
spöttischem Lächeln
