 ungestört Ihnen
Eröffnungen machen zu können, deren Folgen die Art bestimmen wird, wie Sie meine
Offenherzigkeit aufnehmen werden. St. Julien schwieg betroffen und erwartete mit
Spannung, wie der junge Graf in seinen Mitteilungen fortfahren würde. Wenn von
meinem Geschick allein die Rede wäre, hob dieser nach sichtbarem Kampfe von
Neuem an, so könnte es sein, dass ich Ihren Plänen nicht in den Weg getreten
wäre; da aber das Schicksal eines alternden Vaters, einer leidenden Mutter, die
Zukunft jüngerer Schwestern auf dem Spiele steht, so sind mir dadurch Pflichten
auferlegt, die ich erfüllen muss.
    St. Julien glaubte zu träumen, er begriff nicht, wie er auf die entfernteste
Weise auf das Schicksal aller dieser genannten Personen einwirken könne, und bat
den jungen Grafen, fortzufahren, damit er diesen Zusammenhang begreifen möge.
Sie könnten mich leicht verstehen, sagte der junge Graf mit Bitterkeit, ohne
weitere Auseinandersetzung, da Sie es aber selbst so wollen, so will ich Ihnen
eine genügende Erklärung geben. Das Vermögen, welches Ihr Gönner, mein Oheim,
besitzt, ist nicht so schlechterdings nach dem Rechte sein, sondern käme zum
großen Teile meinem Vater zu, dessen beschränkte Lage ihn zwingt, den Raub in
den Händen seines Verwandten zu lassen. Die unglückliche Heirat des Grafen hat
ihn von seiner Familie gänzlich entfernt, welche die Gräfin, wie wir aus
sicherer Quelle wissen, hasst und von der sie den Grafen fern hält, damit er
nicht etwa in einer schwachen Stunde, von seinem Gewissen angeregt, der Familie
einigermaßen Gerechtigkeit widerfahren lasse.
    Hier nun übt der Graf, mein Oheim, Großmut nach allen Richtungen aus
fremden Mitteln, aber doch vorzüglich gegen die Feinde des Landes, die seine
Freunde zu sein scheinen, und, schloss der Graf zornig, da die Gräfin eine
Vorliebe für Sie empfindet, die sich nicht erklären lässt, und meinen schwachen
Oheim beherrscht, so wissen wir, dass es im Werke ist, Ihnen das ganze Vermögen
zuzuwenden, wie Sie auch schon große Summen empfangen haben. Desshalb wollte ich
Ihnen raten, sich mit dem Empfangenen zu begnügen und nicht einer
achtungswerten Familie zu entziehen, was ihr wenigstens nach dem Tode des
Grafen zufallen muss, wenn sie auch leidet, so lange er lebt, und ich fordre, um
diesen Zweck zu erreichen, dass Sie das Haus meines Oheims verlassen, und werde
von dieser Forderung nicht abstehen, so lange ich lebe. Ich hoffe, Sie verstehen
mich nun vollkommen.
    St. Julien war erstarrt bei dieser Rede des jungen Grafen. Ein
instinktartiges Gefühl leitete seine Hand, nach der Waffe zu greifen, die er
aber glücklicher Weise nicht an seiner Seite trug; seine Augen schienen Funken
zu sprühen, seine Wangen glühten und seine
