
    Wie verstehst Du das? fragte der Graf mit Erstaunen. Glaubst Du denn in der
Tat, erwiderte der General sehr gelassen, dass der Kaiser Napoleon die Großmut
so weit treiben wird, die preußische Monarchie wieder herzustellen, die schon
vernichtet ist, und dass er zu diesem Behuf dem Könige Provinzen zurück geben
wird, die wir schon besitzen?
    Niemals war es dem Grafen eingefallen, dass es in dem Plane des französischen
Kaisers liegen könnte, Preußen ganz aus der Reihe der Staaten zu tilgen, und es
erschütterte deshalb sein Innerstes, dass Jemand ihm gegenüber ein so ungeheures
Unglück so gelassen aussprechen konnte. Könnte ich glauben, erwiderte er dem
General, dass dies Entsetzliche eintreten könnte, es würde mich zur Verzweiflung
bringen. Ich kann begreifen, dass Ihr in Frankreich mit Gleichgültigkeit den
Wechsel der Regenten, den Austausch der Länder betrachtet; Ihr habt so vielen
Wechsel erlebt; Alle Eure Einrichtungen sind noch viel zu jung und neu, als dass
sie tiefe Wurzeln hätten schlagen können; Ihr würdet Euch ebenfalls trösten,
wenn Napoleon unterginge und die Bourbons wiederkehrten.
    Halt! rief der General, lästre den Kaiser nicht, sprich nichts
Hochverräterisches in meiner Gegenwart; die Bourbons werden Frankreichs Boden
nie wieder betreten.
    Ich wollte nur sagen, erwiderte der Graf, dass diese Begebenheit nicht
außerhalb der Gränzen der Möglichkeit liegt, und dass Euer Kaiser, so hoch das
Glück ihn auch emporgehoben hat, selbst dazu beitragen kann, sie wirklich zu
machen; denn meinst Du, wenn unser Unglück so groß sein sollte, dass wir dies Mal
gänzlich erliegen müssten, und die Macht von Russland nicht hinreichen sollte,
Euren Sieg zu hemmen, dass dann nicht ein neuer Mut eben aus der Verzweiflung
entstehen würde? Glaube mir, Jeder würde sein ganzes Vermögen, seine
Seelenkräfte und sein Herzensblut daran setzen, das Vaterland zu retten und auf
dessen Thron den angestammten König, der zu uns gehört, wie wir zu ihm, wieder
zurückzuführen. Und wenn nun diese Hunderttausende Euch entgegenträten, die Alle
ein Gefühl, ein Gedanke begeisterte, von denen Jeder entschlossen wäre, wenn es
sein muss, rühmlich zu unterliegen, aber nie von seinem Platze zu weichen, werdet
Ihr dann auch diese besiegen können? Und wird nicht vielleicht dies Gefühl sich
aller Länder bemeistern, die Frankreich in Fesseln hält? Und wäre es dann nicht
möglich, dass der Stern, der Euch jetzt leitet, verschwände und Ihr Eure alte
Bahn suchtet? Ich bitte Dich, sagte der General mit einem mitleidigen Lächeln,
lass uns nicht über Politik sprechen, ich darf Deine Äußerungen nicht anhören,
die nur Dich verderben können, ohne uns im Mindesten zu schaden. Ich will zu
Deiner Beruhigung den jungen Mann bei Dir lassen, bis dieser Krieg geendigt
