 ich errötend abbrechen. -
    Der Sommer des Jahres 1830 war herangekommen. Es war ein schöner heller Tag,
als der Graf uns die Einladung zu einer Landpartie zuschickte, das erste Mal,
dass er uns dabei mit seiner Gegenwart zu beehren gedachte. Mit peinigenden
Ahnungen setzte ich mich in den Wagen, die freie, reine, himmelblaue Luft wehte
mich vergeblich an, und ich konnte mich heut zu dem sorglosen Leichtsinn, der
über der Natur schwebte, nicht stimmen. Ich war melancholisch, wie Appiani in
Emilia Galotti. Der Graf gesellte sich erst eine gute Strecke vor dem Tore zu
uns. Er war zu Pferde und ritt in lebhaften Gesprächen, die er immer anzuknüpfen
verstand, neben dem Wagen her. Er war ohne Zweifel ein sehr gebildeter Mann, und
ich musste mir oft gestehen, dass ich ihn heimlich bewunderte, wenn er sprach und
erzählte; aber das ängstigende Verhältnis, in dem ich zu ihm stand oder zu dem
ich vielmehr noch gezwungen werden sollte, nötigte mich, jede Beipflichtung
auch des Verstandes für ihn zu unterdrücken. Denn nichts verfehlt mehr seinen
Endzweck auf ein jugendliches, scharf wahrnehmendes Herz, als die zur Schau
getragene Absicht. Nur das Unabsichtliche verführt und verlockt uns am
wirksamsten. Und doch verdanke ich seinen Absichten die sorgfältige Erziehung
und Bildung, die ich genoss, obwohl ich, bei näherer Überlegung, ihm keine
Dankbarkeit dafür schulden zu dürfen glaubte. Denn ich war selbst nur als Mittel
dabei gedacht, und nur für den größeren Reiz seiner Unterhaltung hatte er klug
gerechnet, wenn er es vorzog, sich lieber ein gebildetes Schlachtopfer zu
erwählen, als ein unverständiges Werkzeug, das keine geistigere Wirkung empfand
und wiedergab. So sollte, was ich Schönes und Gutes lernte und mir aneignete,
nur die Koketterie eines Putzes sein, womit ich mich, um ihm mehr zu gefallen,
behing, aber Gott lenkte es anders, dass die Gaben des Geistes, die nur wie
Blumenblätter über den Abgrund meines Verderbens hingebreitet werden sollten,
vielmehr Wurzel schlugen in meiner eigenen Seele, und frei und stark machten
meinen Willen, um in der Welt nur dem innersten Trieb und Zug meines Gefühls zu
gehorchen. Und wenn ich auch bald an diesem meinem eigenen Gefühl mich verirrte
und sank, so muss es doch, glaube ich, weniger Schande bringen, durch sich
selbst, durch das inwendige und unwiderstehliche Schicksal unserer Brust,
gefallen und gescheitert zu sein. Ich bin keck und frei genug, die Augen noch
dreist und harmlos aufzuschlagen, wenn mich die Südwinde meiner eigenen
Leidenschaft verschlagen haben an gefahrvolle Klippen; ich bin dann noch ein
Kind meines Willens, ein Kind meines Schicksals, und ein Kind meines Gottes.
Aber fremder Leidenschaft widerwillig gefallen zu sein, ist eine Beschimpfung
des
