 dass Jemand offen ist, und so werden mich auch meine
nächsten Deutschen Freunde, deren ich so manche und liebe habe, jetzt schelten,
wenn ich ihnen bekenne, wie vor den schönsten Naturgegenden das Herz mir oft
kalt und bange schlägt. Ja, der Sinn ist fort, der mit Bäumen und Sträuchern
einen guten idyllischen Umgang hatte, wie das Kind umgeht mit seinen Kameraden,
den weißen Lämmchen auf der Wiese. Diese rauschenden Wälder, diese
ernstgestalteten Felsen, dies naive Leben der Pflanzen und Blumen, dies Neigen
und Grünen der Pappel, der Eiche, der düstern Fichte, diese hochwachsenden
Felder, diese Triften und diese Flächen, diese Hügel und diese Tiefen, dies
Blühen und Lachen, dies Klagen und diese heimliche Verstimmung, wie es von
Wechsel zu Wechsel schleichend durch die Natur hingeht, Alles dies sieht und
spricht mich an, wie eine Schaar gefallener Engel aus der träumerischen
Frühperiode des Menschengeschlechts. Die Menschen hatten lange in und mit der
Natur gelebt, und hatten versucht, ob sie sich zu etwas bilden könnten, indem
sie träumten. Sie träumten am Wasserfall und in der romantischen Bergschlucht
und auf der Hirtenflur ihr erstes morgenrotes Dasein hin, und die rieselnden
Bäche, an denen sie lagen und schlummerten, flossen hell und klar; aber des
Menschen Seele war unklar, und aus dem natürlichen Traum des Lebens wachte kein
Glück geistiger Wahrheit auf. Sie konnten sich nicht bilden, indem sie träumten.
Da wurden sie unruhig, und ihre Flur langweilte sie, und ihr Wald machte ihnen
Grausen. Sie legten die Axt an den grünen Baum, dass seine Wurzel erseufzte, und
hieben ihm den Schmuck der Blätter herunter, und machten sich eine Lanze aus dem
grünen Baum, oder ein Ackergerät. Die Einen arbeiteten im Schweiß ihres
Angesichtes, und die Andern zogen in den Krieg, und Keiner hatte mehr Ruhe und
Frieden. Alle wurden in dem erwachten Drang menschlicher Unruhe zum ersten Mal
historisch. An der Unruhe der Geschichte bildeten sie sich merkwürdig aus, und
singen an, nach den höchsten Gütern des Lebens immer stürmischer zu trachten.
Die alten grünen Wälder rauschten vergeblich mit ihren Friedensträumen hinter
ihnen drein. Und so geht es noch täglich den einzelnen Menschen und den
einzelnen Völkern. Auch den Deutschen liegt es in Gedanken, einmal historisch zu
werden, aber die Einen können noch immer nicht den Werter, die Andern den Faust
nicht vergessen, und das idyllische Naturelement hält sie gebunden. Die Lyrik
der Individualität schwächt ab und verdrängt die Geschichte in der Nation.
Goethe hatte schon selbst aus der Naturlyrik Werters einen strebsamen Wilhelm
Meister hervorgehen lassen, den sein Drang von dem grünen Wald weg auf die
Formen des bürgerlichen Lebens wies, um an denen sich zu bilden, aber es war
