, noch um zwei Kopfgrössen mich überragenden Jüngling vor, mit einem
selbstgefälligen Blick, einen Jüngling, der einen hellblauen Frack mit
übernatürlich großen Messingknöpfen, dazu ein Paar weiße, grobe
Leinwandsbeinkleider von ungeheuerer Weite, die einen Faltenwurf werfen, wie ihn
kein Phidias nachmeisseln würde, und auf dem Kopfe einen weißen Quäker trägt. In
diesem Auszuge muss ich mit ihm gehen, o Heilige! und der eleganten Welt von
Teplitz mich präsentiren. Und wenn er so mit seinen großen Plumpstiefeln, die
immer so unverschämt unter ihm knarren, dass uns die nervenschwachen Damen schon
fürchterliche Blicke zugeworfen haben, wenn er so in dieser fragwürdigen
Erscheinung an meiner Seite hinschreitet, ist mir in meiner Angst ordentlich zu
Mute, als ginge unser ganzes philisterhaftes deutsches Wesen, zu einer
allegorischen Figur ausgeknetet, in Person eines Wittenberger Postsecretairs mit
mir spazieren. Ich fange auch schon an, ihn wirklich für eine Allegorie zu
halten, deshalb schone ich ihn noch, denn sonst wäre, bei Gott, entweder die
Bizarrerie oder die Gutmütigkeit, dass ich ihn ertrüge, zu verdammenswürdig an
mir! Dennoch suche ich ihm zu entwischen, so oft ich kann, und jage mich
ordentlich mit ihm umher durch Teplitz, aber der Philister muss etwas von dem
weltbekannten Überall und Nirgends besitzen, denn wo ich nur um eine Ecke
herumbiege, steht er vor mir, und wenn ich ins Konzert oder Theater gehe, hat er
sich schon unter der Tür an meinen Arm gehängt. Er hält mich für einen Doctor
der Medizin, und glaubt vielleicht, dass ich ihn von einem alten Schaden curiren
könne, an dem er zu leiden scheint, deshalb besonders mag er so anschmieglich an
mich sein. Jetzt hat er sich, Gott sei es geklagt, auch im Schlossgarten
plötzlich wieder zu mir gesellt. Er marschirt wacker neben mir her, schwenkt mit
einer Art von lächerlicher Majestät seinen langen Oberleib, und tritt mir bei
Gelegenheiten einmal mit seinen großen, stolpernden Beinen auf die Füße,
wahrscheinlich um mich aufmerksam zu machen auf diese oder jene vorbeiwandelnde
Schönheit. Wenigstens nehme ich es so an, weil er sich nie enschuldigt. -
    Nun aber habe ich dem Philister einen rechten Streich gespielt. Mehrere hohe
Personen vom Hofe sind gekommen, und es ist ein großes Gedränge der Neugierigen
und Schauenden um dieselben entstanden. Da habe ich den Philister mitten
hineingestossen, und bin ihm unter der Menge unvermerkt wieder entlaufen. Während
er jetzt steht und sich den Hof ansieht, eile ich weit weg mit freier atmendem
Herzen, ich wische mir den Angstschweiß von meiner Stirn, und wandle auf
leichter beflügelten Sohlen dem Ende der Allee zu, wo ich einige höchst
interessante Gestalten ins Auge gefasst habe. Es ist - ja, Heilige! es ist - eine
schöne
