 So wird mir
denn wohl hier in diesem vergangenheitslosen München. Neue Häuser, neue Paläste,
neue Museen, ja neue Straßen erstehen hier unaufhörlich rings um mich, und ich
freue mich wie ein Kind an allen diesen Neubauten, dass ich jubelnd darüber die
Hände zusammenschlagen möchte. Ich freue mich, dass immer wieder etwas Neues
gebaut werden kann, und es ist mir, als würden auch schon in meinem Herzen ganz
neue Häuser und neue Straßen angebaut auf dem alten, frisch umgegrabenen
Fundamente. Die Baulust ist groß in meinem Herzen, Grundstücke sind im Überfluss
da, und ich könnte noch Freiwohnungen an die Armen, die ganz ohne Liebe leben
müssen, darin vermieten! - -
    Ich bin glücklicher geworden! Bei einem Mädchenherzen kommt viel darauf an,
ob es glücklich ist oder nicht. Ein Mann, denke ich, kann vielleicht des Glücks
ganz entbehren, und in der rastlosen Begeisterung seines Strebens und Arbeitens
dennoch zu einer ihm gemässen Bildung und Befriedigung kräftig gedeihen. Ein
Weib, ich habe es gefühlt, muss durch Unglück immer aus seinen Fugen gerissen
werden. Es wird entweder größer, als ihm die Natur zu sein bestimmt hat, oder es
wird hässlicher und verliert seine besten Eigenschaften in der Unschönheit, der
es anheimfällt. Dein böhmischer Mägdekrieg, Freund, hat mich empört. Und Du
konntest boshaft genug sein, Deine eigenen Ansichten über die Bestimmung unseres
Geschlechts dabei zu verschweigen. Wlasta aber, wie Du sie Dir gedacht hast, ist
mir ein wahres tragisches Exempel des verfehlten weiblichen Berufs. Siehst Du,
ich hasche nach Glück! Unser Geschlecht hat ein durchaus ästetisches Naturell,
und die Aestetik unsres Herzens verlangt nach einem blauen, heitern, sonnigen
Himmel, um gegen das Licht gekehrt, schöne Farben und Formen entwickeln zu
können. Diese Aestetik ist unsre Schwäche so gut, wie sie unser Vorzug ist!
Keine schöne Kunst aber vermag ohne eine von innen heraus geschaffene Begränzung
zu bestehn, und wer weiß nicht, dass auch die ganze schöne Kunst unsres
Frauenlebens nur in der Begränzung liegt! In der Begränzung siedeln wir unser
Glück an, in der Begränzung finden und erfüllen wir unsern Beruf, in der
Begränzung sind wir für uns und für die Andern ein harmonisches, in sich
befriedigtes Gebild. Diese Reflexionen - verzeih' das Reflectiren, denn es
gehört mit zu der Begränzungs-und Einfriedigungs-Kunst unseres Geschlechts! -
sind mir der einzige Trost gegen Deinen böhmischen Mägdekrieg, der, wie gesagt,
mich wahrhaft empört hat.
    Ich bin glücklich, und ich bin fromm! Ja, ich bin auch fromm! Ich glaube,
ein Frauenherz kann und darf fromm sein, und auch hier will ich den Männern gern
die Überlegenheit des Geistes einräumen, eines Geistes, der auch in
