, welches das Bild hat, und zugleich
den Geist; den Geist und zugleich das Bild!
    O ihr Philosophen, was euch fehlt, ist das Bild! Tollkühner
Studirstubengedanke eines Weisen, ein Diesseits zu construiren, das bloß der
Geist ist, ein Diesseits, das Logik geworden, und eine Logik, die Diesseits
geworden! Ihr Philosophen, setzt das Bild in seine Rechte ein, und dann erst
wird die Wahrheit des Lebens in ihrer vollgereiften Blüte erscheinen! Wir sind
Kinder dieser Welt! Der Geist verlangt nach dem Bilde, die Tiefe entbrennt in
Sehnsucht nach der Gestalt! Ich kämpfe für die Wiedereinsetzung des Bildes!
    Um der Schwachen willen werde ich künftig, wenn ich einmal öffentlich über
diese hochwichtige Sache sprechen sollte, nie mehr von der Wiedereinsetzung des
Fleisches reden! Das Fleisch, in das Bild erhoben, erweist sich auch darin schon
als das veredelte und geklärte Element, und als die Durchleuchtung des Geistes,
der im Bilde Fleisch geworden ist. Überdiess ist, wenn ich nicht irre, Fasttag
heut in der katholischen Christenheit, und so enthalte man sich, wie billig,
endlich des Fleisches, von dem ich schon gar zu viel gesagt. Ich kämpfe für die
Wiedereinsetzung des Bildes!
    Und hier denke ich daran, o Heilige, wie ich damals, um stille Mitternacht,
in Deinem Garten mit Dir über die Bilder gesprochen, und über die Wahrheit dazu!
Es war ein so seltsames Gespräch, dass Manche es für erdichtet, oder was solchen
Leuten dasselbe ist, für erlogen halten werden, wenn ich es einmal, der leidigen
Gewohnheit unserer Sitten gemäß, drucken lassen sollte! Jetzt aber, Heilige,
meine ich nicht die Wiedereinsetzung der Bilder, wenn ich des Bildes
Wiedereinsetzung meine!
    Ich meine nicht die von der Idee abgetrennten Bilder, das Bunte der
Einzelnheit, aus dem erst Idee werden soll! Diese Herrschaft der Bilder, dieser
Bilderdienst der Formen, ist ja vergangen und bereits wie ausgetilgt aus der
modernen Weltanschauung, die auf den Geist der Wahrheit gewiesen und gerichtet
ist. Und wie lange wird der Katholizismus seine Bilder noch halten können, ohne
die verfallenen zu restauriren, zu restauriren durch die Idee, sonder welche
kein Bild der Welt mehr bestehen kann! Ein Vorfrühling der neueren Völkercultur
war es gewesen, als die Weltanschauung in die blühende Einzelnheit der Bilder
noch versunken lag, aber dunkelstürmisch und unsicher, wie alle Vorfrühlinge.
Und die Bilder bewegten sich über die Erde wie kosende Liebesgötter, und die
Welt war leichtsinnig und froh, und das Leben lag bewusstlos wie ein träumendes
Kind an der Brust der Elemente, denn Alles war noch Element, und der
Bilderdienst war eine elementarische Epoche des Geistes. Allmälig aber wird die
Welt immer wieder weise in der Idee,
