 Zukunft hat. Daher die Ungewissheit über die Unsterblichkeit
der Seele in dieser Philosophie. Und ist ein System, welches das Jenseitige in
sich abschliesst durch Verdiesseitigung des Absoluten, ist diese versteinerte
Gegenwart ohne Zukunftshimmel nicht ein Diesseits ohne Jenseits? Denn die
Einheit des Daseins, welche durch dies System des Diesseits hergestellt und
begünstigt zu werden scheint, ist doch nur eine erkünstelte Einheit des
Begriffs, die auf Erden nicht leben und nicht sterben kann und sich nie in eine
tatkräftige Bildung des Geschlechts umzusetzen vermag. Und wenn ich an eine
Einheit des Daseins mit erhobenem Herzen denke dann ist es jene tatkräftige
Harmonie der Menschheit, jene befriedigte und befriedigende Lebensstärke, die,
dem Altertum vergönnt, auch der modernen Welt wiedererrungen werden muss. Es hat
im Gegenteil die Hegelsche Philosophie durch ihr Diesseits wieder eine Trennung
und Spaltung im Leben gegründet. Denn weil sie ohne das Jenseits ist, hält sie
die Sehnsucht nach demselben um so schmerzlicher wach, da man sich nicht
zufriedengeben kann bei ihrer Verdiesseitigung des Jenseitigen. Wie könnte man
sich zufriedengeben, da die Zeit und die Geschichte uns noch täglich mahnen? Wie
könnte man sich zufriedengeben, da das Jenseitige, unbekümmert um seine feste
Verabsolutirung im System, noch mit tausend neuen Weltahnungen und
Zukunftsverheissungen in uns hineinredet, und wer wollte zu beweisen vermögen,
dass die Wahrheit so sehr die Eine und Unveränderliche ist, dass nicht noch immer
neue Wahrheiten geboren werden, welche die Idee der Wahrheit selbst unaufhörlich
bewegen, in Flut bringen, umgestalten? Wer hat es nicht erlebt dass aus Ahnungen
und aus Verheißungen, dass selbst aus Träumen die Wahrheit wird? Wer darf das
überhören, was mit Ahnungen und Verheißungen, was selbst mit Träumen in ihn
hineinredet? Wer, der nicht tot ist, darf sich zufriedengeben mit dem Tod, und
mit der Todesnacht ohne milden Mond der Unsterblichkeit?
    Und dennoch, dennoch stürze ich mich mit aller Inbrunst der Lebenslust in
das Diesseits, ich empfinde mich jauchzend und mit des Bewusstseins Stärke als
ein diesseitiges Geschöpf. Das Jenseits soll mein Diesseits nicht aufzehren, und
das Diesseits nicht mein Jenseits, sondern ich will sie beide, wie sie sich in
einander hineinbewegen, in diesem Menschenherzen tragen, so lange es schlägt!
Ihre Ineinanderbewegung in mir soll einen festen Organismus hervorbringen, einen
mutigen Sohn der Welt, der sich auf die Woge der Erde setzt, um in die
unendliche Zukunft einzuströmen. An die Woge hält er sich fest, von der Woge
lässt er sich treiben, er schaukelt sich an ihrem Busen und erfrischt sich
geniessend an ihrem Wasser. Aber in seine Segel bläst schwellend und leitend ein
gewaltiger Geist, der von Anfang her weht, und der mächtiger ist als er und als
die Woge. Ich gebe mich an das Diesseits hin
