, was jetzt mir emporsteigt in unruhigen Gedanken. Ich weiß mich
nicht darein zu finden, dass die Welt nicht glücklich sein soll und ohne Einheit!
Zu einer kräftig und sicher über die Erde schreitenden Einheit dehnt sich mein
ganzer Organismus mit geschwungenen Nerven und zugleich mit stolzer Ruhe des
Bewusstseins aus. Gott und Welt haben beide in mir eine große Lust der
Befriedigung, und ich fühle mich stark genug, beiden ihre Lust in mir zu lassen.
Nicht schwinde unter mir, Welt! Nicht stürze über mir zusammen, Himmel! Nicht
zerfliesse in das Unendliche, du mein junger Geist! nicht verliere und entleere
dich im Endlichen, du genusslustige Form! Und Ihr ruft mir entgegen: ich sei kein
Christ! Und ich sinne nach, um Euch und mir es unwiderleglich zu sagen, dass ich
ein Christ bin, wenn Gott und Welt sich in meiner Menschenbrust zusammenfinden!
    Aber nein! nein! ich will jetzt von diesen Gedanken abspringen, und
tiefverschleiert liegen lassen, was Jedem in der Heimlichkeit des Herzens
unbewusst aufschiessen muss!
    Und jetzt eilte ich in ein anderes Zimmer der Gallerie, ich verließ den
Christus vor Pilatus. Nach Bildern derber Sinnlichkeit suchte ich, um mich nicht
an mich selbst und an mein Denken zu verlieren. Ich wollte mich zerstreuen, denn
mein Geist fühlte sich von trüben Lebenserinnerungen umschattet. Und wie oft gab
ich mich nicht an die bloße glänzende und glühende Form der Erscheinung hin,
wenn mir Angst wurde in meinen Gedanken! Eine nackte Diana von Floris, ebenfalls
einem niederländischen Maler, die im nächsten Zimmer hing, und zu der ich
hinstürzte, tat mir noch kein Genüge. Wie gemein waren diese Formen des
Fleisches, wie wenig Reiz fand ich an dieser phantasielosen Zeichnung
menschlicher Körperschönheit, an diesen zu hartgeformten Schenkeln, an diesem
blütenleeren Busen. Ich wandte mich mit Ekel davon ab. Ich ging zu den
Italienern, zu der sitzenden Venus von Titian. Schöner, lieblicher, zarter,
weicher, geistig gehobener, poetisch duftiger, sah ich das Fleisch noch nie
gemalt. Wie ein Gedicht lag der menschliche Körper vor meinen Augen da, ich
seufzte, und andächtig und still wurden alle meine Gefühle. Ich habe große
Ehrfurcht vor dem menschlichen Körper, denn die Seele ist darin! Und ich trachte
nach der Einheit von Leib und Geist, darum bete ich auch an die Schönheit, und
ein heiliger Anblick ist sie mir. Siehe, ich suchte nach Bildern derber
Sinnlichkeit, und vor Titian's Venus wurde mir wieder heilig zu Mute, und ein
harmonischer Klang zog sich versöhnend durch meine ganze Stimmung. Nicht mit
frivolen Augen schaue auf des Weibes ächte Schönheit hin, sondern den guten und
heilerweckenden Gedanken hänge nach, zu denen der Gottesfrieden dieser Formen
