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katholisch ist, wirkt jede Spaltung auch als eine religiöse, und die Legitimität
lässt sich nicht erschüttern, ohne auch dem Katholizismus ein Grab zu graben.
Unabsehbar sind daher noch die Mittel der innern Beruhigung, und ich glaube, dass
Spanien vorerst nichts Wirksameres zu ergreifen hat, als Frankreich in der
Aufhebung der Staatsreligion zu folgen. Und nun seht auch hin auf die
alterrliche Nachbarin Spaniens, das von Kamoëns gesungene Portugal! Abermals in
einem von Legitimität und Katholizismus verwüsteten Lande ein Kind auf dem
Thron, wenn auch schon fast eine Jungfrau! Aber an der Sache des Kindes Maria da
Gloria entspann sich der Kampf und die Bewegung der nationalen Freiheit. Und
wieder ein Thron, der nicht anders als unter den freien und neuen Einrichtungen
sich für gesichert halten kann, ein Thron uralter Legitimität, an die Blüte
eines jungen Mädchens gefesselt, die nur durch die Macht der Bewegung Königin
sich nennt, die im Begriff steht, mit einem Fürsten aus Napoleonischem Stamme
sich zu vermählen. Wunderbare Romandichtung der Geschichte! Wer hatte etwas
Ähnliches sich ausdenken können! Doch während die Freiheit in Portugal
aufblüht, verhüllt der Katholizismus trauernd sein Haupt, nachdem ihm der kluge
Dom Pedro eine tödtliche Wunde geschlagen. So sind diese beiden alten
Legitimitäten des westlichen Europas von der Bewegung ergriffen. O Legitimität,
wo wohnst Du noch, wo habe ich Dich in Deiner ursprünglichen Reinheit und festen
Kraft, und in nationaler Übereinstimmung mit dem Geist des Volkes selbst, noch
zu suchen? Ich weiß kein Land, in dem sich die Legitimität reiner,
ursprünglicher und unvermischter erhalten hätte, als in dem streng katholisch
gebliebenen Österreich. Und ich höre, dass sich der unglückliche Karl der Zehnte
jetzt für immer in Österreich ankaufen wird, nachdem er die Hoffnung
aufgegeben, je wieder auf französischen Boden zurückzukehren. Die alte Austria
steht noch fest, sie hat eine reiche und großartige Aristokratie, wie wenig
andere Länder, und das Volk hat Ehrfurcht vor der Aristokratie, wie kein anderes
Volk. Kann es dauerhaftere Verheißungen für die Stabilität geben? Selbst in
England ist der Toryismus bereits für untergraben anzusehen, während die
österreichische Aristokratie ihren ganzen unversehrten Glanz noch erhalten, ja
immer strahlender und mächtiger sich erhebt. Daher gibt es fast keine einzige
zweideutig schillernde Richtung im österreichischen Staat, nirgend liegen
verschiedenartige und entgegengesetzte Elemente im Kampf, woraus eine Bewegung
ihren Anfangspunct nehmen könnte, und diese patriarchalische Einheit der
Zustände, die fernab von der übrigen europäischen Zivilisation steht, verbürgt
noch auf unabsehbare Jahre die Legitimität. Und da ich von dem Kampf
verschiedenartiger Elemente gesprochen, fällt mir noch das Schloss des Grafen
Czernin ein, das ich hier in Prag mit Verwunderung gesehen. Dies ist vielleicht
das einzige Grafenschloss im ganzen Lande, in welchem demokratische Bestandteile
ihren Wohnsitz aufgeschlagen
