
innere Geheimdienst des Geistes, in dem nur die Gedanken knieen und beten gehen,
ohne dass sie nötig hätten, die Kirche zu suchen, liegt ihrer Gottesverehrung
fern und fremd. Darum wird aber in der katholischen Kirche Gott als dem König
gedient, und nicht Gott als dem Geist. Dem Katholizismus liegt ein
royalistisches Element zu Grunde, und indem sich dazu die Heilighaltung der
Tradition und die Stabilitätsidee der Kirche gesellt, macht es sich von innen
heraus und durch sich selbst anschaulich, wie Katholizismus und Legitimität sich
immer in die Hände gearbeitet haben.
    Für den Katholizismus wie für die Legitimität gibt es deshalb keine Gesetze
der Bewegung. Sie sind unveränderlich in ihrem Wesen, und während sich Alles in
der Geschichte um sie her bewegt, können sie Geschichte und Bewegung nicht
anders ansehen, als für einen Abfall von ihrem eigensten Dasein. Dennoch kenne
ich auch Bewegungsmänner im Katholizismus. Ich denke an Anton Günter in Wien,
einen ausgezeichneten Mann, dessen persönliche Bekanntschaft für mich von großer
Bedeutung war. Günter hat den tiefsinnigen Strom der Spekulation als
Bewegungsidee in das Bestehende der Kirche hineingeleitet, und sogar die
Tradition auf eine philosophische Grundlage geschoben, sodass sie nicht mehr
einzeln und abgetrennt dasteht von einer geistigen Wurzel. Dadurch hat er den
Katholizismus bewegt. Ich nenne Günter einen Bewegungsmann des Katholizismus,
denn wo Geist ist, da wird Bewegung. Und sein reicher poetischer Genius hat
einen die veralteten Formen überdeckenden Blütenschauer ausgestreut, und selbst
der Humor kommt ihm zu Hilfe, um einen frischen Jugendzauber hervorzulocken, und
aus verfallenem Gemäuer grünes, duftiges Gesträuch zu treiben. Aber es ist
dennoch Alles vergeblich. Günters Verdienst würde weltistorisch sein, wenn es
nicht so ganz unhistorisch wäre. Denn die Bewegung des Katholizismus war schon
die Reformation. So bleibt denn einem Geist, wie Günter, nichts weiter übrig,
als vermittelnde Tendenzen einzuschlagen, die er auch bereits in seinem »letzten
Symboliker« auf eine merkwürdige Weise begonnen. Auf seinem eignen Grund und
Boden ist der Katholizismus nicht zu bewegen, wenn er Katholizismus bleiben
soll. Ein legitimer Thron, der bewegt wird, wird erschüttert. Die erschütterte
Legitimität kann nur durch neues Leben und neue Gesetze wieder befestigt werden.
So geht es auch den Bewegungsmännern der Legitimität selbst, die allen Parteien
nur in einer zweideutig schillernden Stellung gegenüberstehen. Es gibt auch
Bewegungsmänner mitten in der Legitimität. Einen solchen nenne ich
Chateaubriand. Wie viel hat er nicht für die Bewegung gewirkt, selbst indem und
während er für das Bestehende kämpfte! Solche Geister treibt die eigene Unruhe
ihrer Kraft sogar wider Willen vorwärts, da sie nirgends Frieden und Heimat
haben, bis ihre Kraft endlich in der Auflösung des Gegensatzes durch den
Gegensatz mit zerrieben wird.
    Auch an den seltsamen Abbé de la Mennais denke ich,
