 eine einzige Lehre von mir annehmen wolltest! sagte Hinchvoch.
    Welche denn? fragte Przemysl.
    Dass sich Alles in der Welt von selbst versteht! gähnte Hinchvoch.
    Wie meinst Du das? fragte Przemysl aufmerksam.
    Ich meine, wie hätte man Zeit und Ruhe, zu schlafen, wenn sich nicht Alles
in der Welt von selbst verstände! explizirte Hinchvoch.
    Ich verstehe Dich nicht, erkläre Dich deutlicher, sagte Przemysl dringend.
    Lass erst noch ein Fass Met holen, sagte Hinchvoch.
    Soll geschehen! rief Przemysl, und es war alsbald durch den Diener
herbeigeschaft.
    Nun, sagte Hinchvoch, nachdem er noch einmal getrunken, dass sich Alles in
der Welt von selbst versteht, ist klar. Zum Beispiel, dass du frei bist, versteht
sich von selbst. Ebenso, dass Du nicht mehr heiraten wirst! Was machst Du Dir
also Gedanken darüber! Die Zeit ist kostbar. Lass uns schlafen! -
    Mir wird Angst bei Dir! sagte Przemysl. Du fängst an geistreich zu werden.
Ich dachte, Du hättest keinen Geist. Und siehe, mein Haar sträubt sich empor,
und es ist mir, als käme der neuerdings Mode gewordene Geist der Weissagung auch
über meine Seele. Ja, ja, Hinchvoch, ich bitte Dich um Alles in der Welt, ich
sehe die Zukunft vor meinen Blicken aufsteigen. Ich schaue eine Periode des
Menschengeschlechts, wo Alle geistreich sind. Es ist das glorreiche neunzehnte
Jahrhundert, in dem jeder Ladendiener geistreich werden wird. Man wird einem
Menschen nichts Schlechteres mehr nachsagen können, als dass er geistreich ist,
und überall, wo man hinhört, wird die Rede sein von geistreichen Jünglingen, von
geistreichen Frauen, von geistreichen Berliner Banquiersöhnen, und Keiner wird
mehr ein Kleid machen lassen bei einem Schneider, wenn der Schneider nicht
geistreich ist. Die Recensenten, wenn sie weiter nichts mehr zu sagen wissen,
werden das Wort Geistreich zum Schimpfwort brauchen, und diese klägliche Periode
wird damit endigen, dass sich die Geistreichen alle unter einander mit Haut und
Haaren auffressen. Ich sehe schreckliche Dinge, die da kommen werden, Keiner
sagt mehr zum Andern guten Morgen, ohne dabei geistreich zu sein. Keiner isst
mehr ruhig sein Butterbrot, ohne eine geistreiche Bemerkung dabei zu machen.
Kein Spitzbube wird gehängt, ohne ein geistreiches Gesicht dabei zu schneiden.
Kein Mann prügelt mehr seine Frau, ohne geistreiche Motive dazu zu haben. Alles
wird sich geistreich motiviren, und es wird kein gesunder Discours, bei dem man
sich bequem ausruhen kann, mehr zu Stande kommen. Diese klägliche Periode und
ihr klägliches Ende habe ich prophezeiht. Ich bin dazu ausersehen vom
Verhängnis. O Hinchvoch, Hinchvoch, halte mich, mir wackelt der Kopf und ich
kann nicht wieder zu
