 ihrem Leben nötig ist. Wir glauben an die
Institutionen in Sitte, Meinung und politischer Einrichtung wie an die
unerlässlichen Lebensbedingungen der Jahrhunderte. Als wenn die Menschheit keine
innern Quellen hätte! Als wenn sie unterginge, wenn ihr sie aus dieser ganzen
Sündflut ihrer Existenz plötzlich nackt und noch triefend auf den Ararat
versetztet! Als wenn die Menschheit nicht immer die erste sein wird, die sich
hilft, und diejenige, welche für sich den besten Rat weiß! Sie zucken die
Achseln wie unvorsichtige Ärzte, sie fürchten für das Leben des Patienten und
quacksalbern an den alten Schäden herum; aber nehmt der Menschheit ein Bein ab:
sie wird sich ein neues machen; nehmt ihr, um nur eines, was unmöglich scheint,
zu nennen, z.B. das Christentum: glaubt ihr, dass sie untergehen wird? Nehmt ihr
eure Gesetzbücher, eure Verfassungen - nehmt ihr zuletzt das, worauf gleichsam
alles ankommen soll, nehmt ihr euch selbst! - und die Menschheit wird
fortbestehen. Sie wird alles ertragen und durch Felsen vom stärksten Granit noch
immer einen Weg finden, der sie zu ihrem Ziele führt.
 
    
