. Wally ist nur hingebender und Cäsar erschöpfter geworden. Er
war im Zuge, links und rechts seine zusammenhanglosen Einfälle auszustreuen und
grade im Gegensatz zu seiner Höflichkeitsteorie alle Welt zu verwunden. Die
Hauptunterhaltung hatte der lange blonde Mann an sich gerissen, welcher über das
Unzeitgemässe politischer Garantien geschrieben hatte. Mit ihm korrespondierte
ein Justizrat, welcher anonymer Verfechter von verschiedenen Lehrbüchern zur
Kenntnis des Allgemeinen Landrechts war oder doch sein sollte. Beide zitierten
sich wechselseitig als Autoritäten, der Junge den Alten der Karrière wegen: der
Alte den Jungen, weil er wusste, dass der Nachruhm in den Händen derer liegt, die
nach uns leben. Cäsar war auf der Folter: er ahnte, dass sie ausschweifen
wollten, dass sie auf dem Wege waren, zur schönen Literatur überzugehen.
    »Wirklich?« zitterte er für sich hinein. »Wahrlich! Ja, sie müssen - Oh -.«
Cäsar war aufgesprungen.
    Er wollte fort. Wally frug ihn, was er hätte?
    Der Justizrat, Mitglied einer Liedertafel, das heißt eines Vereins, wo man
über Tafel die schlechten Kompositionen eines Zelter und anderer zu singen
pflegte, rief: »Ist es nicht auffallend, dass auch nicht ein einziger aus der
neuen Schule in Deutschland sich auf Musik versteht. Wie schön hat Tieck die
italienische Musik in seinen Sonetten charakterisiert! Wie treffend drückt er in
seinem Vorspiel zum Gestiefelten Kater oder zur Verkehrten Welt, ich weiß nicht,
das Wesen der verschiedenen Instrumente aus! Wie hat die ganze romantische
Schule in der Musik gelebt!«
    »Und Hoffmann«, rief eine ältliche Dame, die ihrem Teint nach mit Napoleon
verwandt sein konnte.
    »Und Hoffmann!«, fielen alle ein.
    »Ja«, rief der Justizrat, »Hoffmann, der mein Kollege war!«
    Cäsar sagte ruhig: »Ich weiß nicht, worin der Zusammenhang der Literatur und
der Instrumentation liegen sollte. Goethe scheint mir auch ohne den Kontrapunkt
verständlich zu sein.«
    Aber der Justizrat hatte das Wort: »Man hat noch immer gefunden, dass
irgendeine Beschäftigung, welche dem Dichter sonst noch teuer und lieb war,
recht hübsch das Wesen seiner eigenen Poesie ausdrückte. Ich rede von Homer und
Ossian nicht, Männern, die mehr Musiker als Dichter waren; aber Goethe arbeitete
in Pappe, wenn ich nicht irre. Schiller war Kompagnie-Chirurgus. Nun sehen Sie,
das ist prosaisch genug; sagen Sie mir von allen neuen Autoren einen, der ein
gutes Urteil über Musik hätte? Es ist Mangel einer gewissen Saite in der Seele,
dass es ganz unmöglich ist, die Namen Menzel, Börne, Heine usw. mit irgendeiner
musikalischen Verrichtung zusammenzubringen.«
    »Die Lärmtrommel!« hieß es irgendwo. Man beklatschte den
