 assistiert als
Fleisch und Blut im Brot und Weine, dass er uns rechtfertigt durch die Gnade, dass
die Erbsünde, an die ich als Psycholog und Menschenkenner faktisch glaube,
teologisch zu erklären sei, zum großen Teile aber eine Dogmatik, welche auf
jedes einzelne Glied im Körper des Rabbi Jesus gegründet ist. Der Katholizismus
war sinnlicher Götzendienst mit polyteistischer Färbung. Der Protestantismus
wurde mystischer Götzendienst mit einer Beschränkung auf einen Gott, der aber
drei Hypostasen hatte. Wittenberg und der Sand waren Schuld, dass diese Lehre
immer flacher, äusserlicher und zänkischer sich ausbildete. Aus dem Evangelium,
der Bibelmanie und den symbolischen Büchern setzte sich zuletzt das knöcherne
Skelett der Ortodoxie zusammen, eine Gestalt, die statt des Herzens einen
ledernen Beutel, statt des Gehirns eine Anhäufung schwammartiger Stoffe zu
tragen hat.
    Das zweite Unglück des Protestantismus war die Beibehaltung des Begriffes
der Kirche und die unterlassene Ausgleichung desselben mit dem Begriffe:
Gemeine. Hier trat früh ein Schwanken ein, das auf der einen Seite das Extrem
der englischen Hochkirche und auf der andern das quäkerische Extrem der
allgemeinen Priesterschaft erzeugte. Das Lutertum an und für sich selbst nahm
früh eine servile Richtung. Es stritt für das göttliche Recht der Fürsten
ebensosehr, wie es seine eignen Satzungen in ein legitimes, unantastbares Gewand
zu kleiden suchte. Thomas Müntzer schalt mit Recht auf Luther, den Papst von
Wittenberg. Das Territorialsystem war die Folge der Schmeichelei. Die Kirche
blieb etwas Ganzes, der Glaube wurde nicht an die stille Kammer des Herzens als
seinen Tempel verwiesen, sondern die Kirche repräsentierte wie ehemals. Die
Geistlichen regieren untereinander. Sie scheinen eine Monarchie für sich zu
bilden und ducken sich außerdem unter der politischen Souveränität, so dass es
noch heutiges Tages nicht entschieden ist, wie weit sich die kirchliche
Autorität als Landeshoheit erstreckt, wie weit man wagen darf, Agenden zu
verfassen und sie mit militärischer Gewalt, wie in den Schlesischen Dragonaden
geschehen ist, in Wirksamkeit zu setzen. Hier ist alles vag, hoffärtig,
augendienerisch, despotisch und erfüllt das Herz des Biedermannes mit den
schmerzlichsten Gefühlen.
    Die deistische Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts konnte deshalb dem
Christentum keinen merklichen Abbruch tun, weil sie bald zu frivol, bald zu
witzig war. Der unsittliche Reformator macht nirgends Glück. Der Witz ist einer
so großartigen Institution wie das Christentum gänzlich unangemessen. Die naive
Einfachheit kindlicher und glaubensfreudiger Seelen pariert alle Nadelstiche
Voltaires, eines Mannes, den man für einen Schneider halten möchte, so furchtsam
und eitel war er. Das Christentum fordert andere Waffen heraus, überhaupt keine
Waffen, die nur für den Krieg taugen, sondern solche, welche sich an einen Stiel
stecken lassen, positiv und schaffend werden und die Erde zur neuen Saat
auflockern. Das achtzehnte Jahrhundert, der mephistophelische Geist der
