, und ihre Zahl ist so
unendlich, wie, fast möchte man sagen, die Atome der Welt. Die Engel wohnten
ursprünglich in Gott; denn seine Tätigkeit ist seinem Sein immanent. Darum
mussten die Engel auch gut sein ursprünglich. Luzifer aber empört sich, Luzifer,
der Lichtbringer, der die Finsternis erhellt. Dies Empören ist eine Tätigkeit
Gottes, das heißt Gott wird das Gegenteil seiner selbst, Gott wird Satan. Ja,
die Natur ist Teufel, dieselbe Natur, welche für Gott durchaus nicht vorhanden
ist, da sie nur sein Atem ist. Die Natur vor Gott ist so, als wäre sie nicht.
Vor Gott gibt es auch einen Teufel, als gäb' es ihn nicht. Je höher bei dem
einen oder andern das philosophische Bewusstsein ist, desto weniger existiert für
ihn auch der Teufel. Im Christentum ist der Teufel ideell gänzlich ausgetrieben,
denn Gott sonderte die menschliche Individualität von der Natur ab und gab
dieser in seinem Sohne eine eigne Offenbarung. Gott wollte den Widerspruch
seiner selbst durch sich selbst strafen und an sich seinen eigenen Prozess büßen
lassen. Er wurde gekreuzigt, und es herrscht hinfort nicht mehr Gott, nicht mehr
Satan, nicht mehr der Mensch, nicht mehr die Natur, sondern das Reich des
Geistes, der Freiheit und der Wahrheit.
Was hatt' ich nun von dieser Improvisation! Mit einer Art von komischem
Ateismus schloss Cäsar seine mystische Deduktion, welche Menschen von größerer
Einbildungskraft, als ich besitze, viel Beruhigung gewähren mag. Ich soll schon
an den Sohn glauben und bin noch mit dem Vater unbekannt.
Ich habe mich drei Wochen lang täglich in Vergnügungen berauscht. Ich musste der
Welt zeigen, dass ich Cäsars Entfernung ertragen kann, ich musste es mir selbst
zeigen. Aber es erquickt mich nichts mehr. Cäsars Liebe war die schönste
Zerstreuung meiner unglücklichen Seelenstimmung. Ich sinke immer tiefer in Nacht
und Verzweiflung. Man erkennt mich nicht wieder. Oft bin ich so von Wehmut
aufgelöst, dass ich in die Kammer stürze, wo die Erinnerungen meiner ersten
Kindheit aufbewahrt liegen. Ich räumte auf in der Verwirrung, um mich zu
zerstreuen. Ein Stilett fiel mir in die Hand. Wie mag das hierhergekommen sein?
Ich glaube, Cäsar müsste sich schämen, noch zu leben, wenn er keine Auskunft
geben kann. Seine Scherze verdecken nur eine Überzeugung, die vielleicht
folgerichtig ist. Ich habe ihm geschrieben, sie auch mir zu geben. In Heidelberg
muss ihn mein Brief treffen; er wird sich sogleich hinsetzen, um mir, ich hab'
ihm die Hand aufs Herz gelegt und ihn feierlichst beschworen, seine ernsthafte
Meinung über Religion und Christentum zu sagen. Ich zittre, wenn seine
Darstellung einläuft.
    Das Stilett gehörte meinem Bruder, der
