. Er sah es,
doch war es noch finster. Wally musste aus dem Theater schon zurück sein. Einige
falsche Akkorde auf dem Klavier drangen zu dem Ohr des Unglücklichen. Jeden
andern, dessen Geist nicht schon in wahnsinnige Erstarrung übergegangen war,
hätten diese Töne dem Leben wiedergegeben. Jeronimo hatte keine Empfindung als
für das, welches mit seinem Tode und einer Art von Rache zusammenhing. Er tat
nichts, als den Hahn seines Pistols zurücklegen.
    Jetzt schwiegen die Töne, welche nur in einem Anfalle von Zerstreuung und
zufälliger Leere des Bewusstseins angeschlagen schienen. Das Schlafkabinett
Wallys erhellte sich. Jeronimo zitterte, denn nah erkannte er zwei Gestalten,
welche an den Gardinen des Fensters zuweilen wegrauschten. Bald war es nur noch
dieselbe, die zuweilen wiederkehrte. Es musste Wally sein.
    Jeronimo wollte nicht anders, als sie im Auge haben. Der Zufall war grausam
genug, hier alles zu erleichtern. Vom Vorsprung des Parterrefensters war er bald
auf das eiserne Gerüst einer Laterne. Die Einschnitte an der Wand des Hauses
unterstützten ihn. Er schwang sich auf, griff mit zuckender Hand an das Fenster
und fasste so viel vom Holze, dass er bequem aufgerichtet einige Minuten lang
stehen konnte; er stand noch länger; denn in so fürchterlichen Augenblicken
ermüdet der Körper nicht und kann das Unglaubliche leisten.
    Wally blieb drinnen an einen Pfeiler ihres Bettes gelehnt. Sie war noch
nicht ganz entkleidet; nur was an Schnüren und Bändern ihre Kleider
zusammenhielt, das war gelöst und machte, dass sie in einer malerischen, die
Sinne verlockenden Situation dastand. Sie war sehr indifferent in ihrem Gemüte,
wie es schien, und griff nach einem Buche, nach einem deutschen Buche, um sich
in Paris einzuschläfern. Da störte sie ein Geräusch am Fenster. Sie sieht auf
und erblickte durch die angelaufenen Scheiben die ganz undeutlichen Umrisse
einer menschlichen Gestalt. Sie eilt hinzu, wischt so viel von dem Tau des
Fensters ab, um ein grässlich verzerrtes Antlitz wahrzunehmen, das im Nu beim
Knall eines Pistols zerschmettert ist. Sie stößt einen entsetzlichen Schrei aus:
der Schuss machte das Haus lebendig. Man eilt von allen Seiten herbei, dringt in
Wallys Zimmer; denn hier hatte man den Schuss gehört. Man tritt in das Kabinett
und findet Wally bewusstlos am Boden liegen. Die Scheiben sind zerschmettert, und
blutige Teile eines zersprungenen Schädels liegen auf dem Fußboden.
    Wally hatte sich bald erholt. Sie besann sich auf alles; sie hatte Jeronimo
in dem Augenblicke, als das Pistol blitzte, erkannt; niemand zögerte, ihre
Vermutung zu bestätigen, als man den hinuntergestürzten Leichnam besichtigte und
dem Bruder des Gesandten in ein Antlitz leuchtete, das nicht mehr da war. Aber
welch ein tiefer Abgrund ist das weibliche Herz! Wally tobte
