 Historie«, fuhr er fort, »ist mehre Jahre alt. Der Trompeter
heiratete die Tochter des Wiesbader Bürgers, nahm seinen Abschied und zog nach
Schwalbach, wo er die Direktion der Musiken für die Saison zu übernehmen pflegt.
Aber seine Frau leidet seit jener traurigen Katastrophe ihres verschmähten
Liebhabers an einem unheilbaren Übel. Hätten die Ärzte nicht schon zuweilen
ähnliche Beobachtungen gemacht, so würde man versucht sein, hier an einen Spuk,
an eine Rache des gespenstischen Tambours zu glauben. Die Frau des Trompeters
hört Tag und Nacht ein dumpfes Murmeln an ihrem Ohr, das sich zu verschiedenen
Zeiten steigert und ihr wie der Ton einer Trommel vorkommen muss. Nachts schreckt
sie aus dem Schlaf auf, zeigt mit stierem Blick auf die Tür, wo sie den blassen,
kleinen Mann mit seinem Instrumente zu erblicken glaubt; sie hat nicht Ruhe, wie
tief sie sich auch in die Kissen des Bettes hineinwühlt. Die Ärzte nennen dies
eine unnatürlich präponderierende Kraft des Gehörsinnes und können sich auf die
gleichzeitige Tatsache berufen, dass alle übrigen Sinne der Frau allmählich
schwinden und der übermäßig hervorbrechenden Gehörskraft zu weichen scheinen.
dabei ist sie abgefallen und bleich, ihr äußerer Körper verringert sich immer
mehr: ich sah sie, es ist eine ganz absorbierte Erscheinung, die Grausen
erregt. Sie selbst hat den festen Glauben an die Rache des Tambours, oder wie es
diese Leute nennen, dass er im Grabe keine Ruhe habe. Sie versicherte mich, dass
das Gespenst ihr überallhin folge, in Küche, Boden und Keller; ja auf dem Wege,
selbst im Walde sah sie ihn oft, den Toten, wie er leibhaftig vor ihr stehe,
die kleine, bleiche Figur, mit der Trommel auf dem weißen Schurzfell und
dieselben gelbledernen Bandeliere um die Schultern gehängt, welche uns Preußen
so fatal sind. Die Ärzte wissen, dass die Frau bald sterben muss an totaler
Nervenentkräftung. Ich glaub' es. Gott, da steht sie!«
    »Wo?« schrie Wally auf.
    Cäsar lachte. Es war ein Scherz; aber sie hatte ihn übel aufgenommen und
ließ sich mit der bittersten Laune über seine Späße und abenteuerlichen
Erzählungen aus.
    »Gehen Sie mit Ihren Trommeln und Trompeten! Womit Sie sich doch alles
abgeben!« sagte sie mürrisch, empfahl sich und wandte sich allein dem Kaisersaal
zu, wo sie wohnte.
 
                                       9
Diese Szene war bald vergessen. Auf die regnerischen Tage folgten mit dem
Sonnenscheine tausend Aufforderungen der Natur, ihre Reize zu genießen. Bis in
die entfernteste Umgegend trugen Esel und kleine Gefährte den weiblichen Teil
der Gesellschaft, welche als die Crème der Saison sich zusammengefunden hatten.
Wally war eine sprühende Girandole von Freude und Ausgelassenheit. Sie bildete
den wahren Mittelpunkt der Gesellschaft, so aber,
