 hat jeden Atemzug beseligt, das nenne ich
mir himmlische Luft - und Du? - Hab ich Dir auch nicht missfallen? - Ach beschäme
mich nicht, vergesse, was Dir nicht zusagte, wenn ich manchmal zu heftig war und
Deine leisen Winke nicht verstand. Meine leidenschaftlichen Stimmungen sind ohne
Ansprüche, sie sind wie Musik, auch die verlangt keinen irdischen Besitz, aber
sie stimmt den Geist, der ihr Gehör gibt, zum Mitgefühl, zur Nachempfindung, ja
kling's in Deinen Ohren, in Deinem Herzen noch eine Weile nach, alles, was ich
Dir sagen durfte. Leidenschaft ist Musik, ein Werk höchster Mächte, nicht außer,
sondern tief in uns, sie führt uns mit dem idealischen Ich zusammen, um
dessentwillen der Geist in den Leib geboren ist: dies Ich, das allein
Leidenschaft entzünden, sie gestalten und bilden kann. Der Mensch wird von der
Begeisterung erzogen, das ganze irdische Leben verhält sich dann zu diesem
Geistigen wie der Boden zum Fruchtkorn, das aus ihm emporsteigt, um
tausendfältig zu tragen.
    Nur die Ewigkeit gibt Wirklichkeit; denn was einmal zugrunde geht, mag's
gleich zugrunde gehen, ob heute oder morgen, das ist einerlei; aber die Liebe
trägt alles zum himmlischen Reich, sie ist allumfassend, alldurchdringend wie
die Sonne, und doch bildet sie jeden geistigen Reiz zu einem in sich
abgeschlossnen, sich selber anheimgegebenen Eigentum, sie bewegt den Geist, dass
er ganz eigentümlich das Eigentümliche fasse. So macht's die Liebe mit mir, in
Dir werd ich meines Geistes mächtig, - und Du? - Das leuchtende Grün, was der
Baum in erneuter Frühlingskraft hervortreibt, das gibt Zeugnis, dass die Sonne
ihm ins Mark dringt. - Und Du bist erfrischt durch diese Liebe, nicht wahr? -
    Wer Dich mit leiblichen Augen sieht und sieht Dich nicht durch die Liebe,
der sieht Dich nicht, Du erscheinst nur durch sie dem liebenden beschwörenden
Geist. Je feuriger, je kräftiger die Beschwörung: je herrlicher Deine
Erscheinung, je mächtiger Deine Einwirkung. Lieber Freund! Meiner Beschwörung
hast Du Dich aufs innigste vergegenwärtigt, ich habe Dich in jedem Gedanken als
in einem magischen Kreis umfasst, und der Inhalt mag sein, welcher er wolle, Du
durchwaltest ihn und wohnst in jeder Gestalt, die mein Geist ausspricht. -
    Es ist wahr, Zauber ist Zauber, er hebt sich in sich selber auf, und darum
leugnen sie seine Wirklichkeit; sie glauben: nur was sinnlichen Leib habe, sei
wirklich, und ihnen muss Verstand nur als sinnlicher Boden gelten.
    Das Werk Gottes aber ist Magie, die Liebe in unserer Brust, die
Unsterblichkeit, die Freiheit sind magische Erzeugnisse Gottes, sie werden nur
durch die Kraft
