 Element, und ich kann die Flügel regen in Dir, und das ist das
einzige Erkennen, das einzige Empfinden, das einzige Haben.
    Und Du magst Dich tausendfach aus Dir heraussehnen, nie wirst Du Dich selbst
finden, als indem Du Dich in einen andern ergiessest; nie wirst Du im andern
sein, als wenn er in Dir ist.
    Denken sieht und berührt, es ist innigste Berührung mit dem Geist des
Bedachten.
    Wenn der Geist zur Musik wird, dann wird Philosophie zur Empfindung.
    Schon hundertmal hab ich mich in die graue Decke eingehüllt, und wollte ich
schlafen, so muss ich die Hand ausstrecken, um eine Zeile zu schreiben. Wenn es
wahr ist, dass es eine Magie des Lebens gibt, die vermöge der Selbsterleuchtung
sich erzeugt, wer wollte dann außer ihren Kreisen stehen?
    Gute Nacht! - Zu Deinen Füßen verschlaf ich sie.
    Ja, ich will glauben, dass Du da bist, und will keine Hand nach Dir
ausstrecken, damit ich Dich nicht verscheuche, und doch berührst Du mich, die
Luft verändert sich, der Schimmer der Lampe, die Schatten, alles gewinnt
Bedeutung.
                                     * * *
                                                                   Am 28. August
Den übergehen wir mit Stillschweigen. Du bist mir von Ewigkeit her. Wer wollte
leugnen, dass die Sterne uns regieren. Du warst ihrem Einfluss willig, und so
haben sie Dich zu sich erhoben, ich weiß alles: heimlich regieren sie Dich auch,
dass Du mir geneigt bist. Ich seh's an Deinem Blick, Du bist mit mir zufrieden.
Du sagst nichts. Du schließt Deine Lippen so fest, als habest Du Furcht, sie
mögen gegen Deinen Willen plaudern. Goethe! Es ist mir genügend, was Dein Blick
sagt, auch wenn er nicht auf mir weilt. Gestern, wie ich hinter Dir stand und
mit dem Papier rauschte, da sahst Du Dich um, ich merkte es wohl; ich ging leise
hinaus und schob die Tür nicht ganz zu, da sah ich Dich rasch den Brief
ergreifen, dann ging ich weg, ich wollte Dich nicht länger belauschen, mich
überlief ein leises Frösteln, wie ich mir vorstellte, dass Du jetzt lesen
werdest, was ich zu Dir gedacht hatte in letzter Mitternacht. - Wie selig,
Goethe! - denken: jetzt nimmt er diese Schmeicheleien auf, jetzt spricht sein
Geist freundlich nach, was ich für ihn erdacht habe. Es ist schön, was ich Dir
sage, es sind die Liebesgeister, die mit Dir sprechen, sie umkreisen jubelnd
Dein Haupt.
    Weißt Du, wie ich Dich mir denke heute an Deinem Geburtstag? - Am
Meeresstrand, auf goldnem Tronsessel im weißen wollnen Gewand, den Purpur
untergebreitet; in der Ferne die weißen
