 handeln, ist der Trieb, dem innern Auge wohlgefällig
zu erscheinen. Drum ist der Trieb nach Anerkenntnis, nach Ruhm eine verkehrte
Befriedigung dieser angeborenen, unvertilgbaren Neigung, weil ihr Ursprung
göttlich ist. - Was haben wir von allem äußeren Glanz, von dem Gaukelspiel des
Beifalls einer unwissenden Menge, wenn wir vor dem Auge des inneren Genius nicht
bestehen, wenn unsere Schönheit vor ihm zerrüttet ist! ich will nur für meine
Schönheit leben, ich will nur ihr huldigen; denn sie ist der Geliebte selbst. -
    Wenn wir den Blick des inneren Auges umschreiben, so haben wir die Kunst und
das Wissen.
    Alles Wissen soll sich zur Kunst erheben, es soll ebenso unschuldig die
Wahrheit nachahmen wie die bildende Kunst, und so wird sie ein Spiegel der
Wahrheit, ein Bild, in dem wir sie erkennen.
    Denken ist ein unmittelbares Nachahmen der Wahrheit, es ist nicht sie
selbst, sie hat keinen Leib, sie hat nur eine Erscheinung.
    Suche nur die Wahrheit in Deinem Innern, so hast Du den Vorteil, sie zu
finden und Dich zugleich in sie aufzulösen.
    In Deinem Innern wirst Du ein lebendiges Bewegen wahrnehmen, wie das Bewegen
des Wassers, es ist nichts als ein Bewegen, sich in die Wahrheit aufzulösen.
    Alles Leben löst sich in eine höhere Wahrheit auf, geht in eine höhere
Wahrheit über, wär es anders, so wär es Sterben.
    Schönheit ist eine Auflösung der sinnlichen Anschauung in eine höhere
Wahrheit; Schönheit stirbt nicht, sie ist Geist.
    Alle Disharmonie ist Unwahrheit.
    Wenn Du schlafen willst, so ergib Dich Deinem innern Mond. Schlaf in dem
Mondlicht Deiner Natur! Ich glaub, das erzieht und nährt Deinen inneren
Menschen, wie das Mondlicht den Geist der Pflanze ernährt und befördert. Wer von
selbst seinen Geist der Natur unterwirft, für den gibt es keinen Tod.
    Der Geist muss so mächtig werden, dass er den Tod des Leibes nicht empfindet.
    Der Geist braucht nicht zu denken und kann doch mächtig sein, bloß durch die
Reinheit des Willens.
    In allem nur sich sehen und gegen sich den reinsten Willen haben, dann ist
der Geist mächtig.
    Auch der sinnliche Schlaf soll so genossen werden, dass er ein geistiger
Balsam sei.
    Vielleicht vererben sich die geistigen Reichtümer wie die irdischen,
vielleicht verteilen die Geister ihre Fähigkeiten auf ihre Nachkommen! »Ich
erkenne an dem Gedanken, wes Geistes Kind du bist.« Dies Sprichwort beurkundet
meine Bemerkung.
    Wachsen ist das Gefühl, dass das Uranfänglichste zu seinem Ursprung in die
Ewigkeit dringt.
    Der Genius allein kann die verletzte Unschuld herstellen. O komm, Genius,
und befriede Dich mit mir!
    Hier übermannte mich ein tieferer Schlaf. - Am Morgen fand ich mein
beschriebenes Papier,
