 jeder Genuss durch seine Wahrheit legitimiert ist.
    Ich glaube, dass alle Ahnungen Spiegelungen der Wahrheit sind.
    Der Geist ist Auge, je schärfer er sieht, je deutlicher wird die Ahnung, je
reiner tritt das Spiegelbild der Wahrheit in der Empfindung auf. Die Vielheit
soll zur Einheit führen, der Spiegel fasset alles in einen Strahl zusammen.
    Das Licht gebärt das allseitige Leben und Streben in die Einheit, in das
Reich des Göttlichen.
    Die Philosophie ist Symbol der Leidenschaft zwischen Gott und dem Menschen.
    Die Liebe ist eine Metamorphose der Gottheit.
    Jeder Gedanke ist die Blüte einer Pflanze; was ist dann aber ihre Frucht? -
Die Wirkung auf unser Inneres ist ihre Frucht.
    Zum Denken des wahren Geistes gehört die Unschuld. Nur mit der unschuldigen
Psyche beredet sich der Geist.
    Der Geist stellt die erkrankte Unschuld her. Die Frucht des Geistes
genießen, macht unschuldig, das ist die Wirkung der Frucht.
    Das Sinnliche ist Symbol des Geistigen, ist Spiegel einer noch nicht in die
geistige Erfahrung getretnen Wahrheit.
    Geistige Erfahrung ist gebornes Leben. Wenn wir Besitzer der geistigen
Wahrheit sind, dann ist das Sinnliche aufgelöst.
    Alles Sinnliche ist unverstanden, durch sein Verstehen wird es geistig.
    Geistige Entwicklung macht große Schmerzen, sie ist der Beweis, wie sehr der
Geist mit dem Physischen zusammenhängt.
    Der Geist, der keine Schmerzen macht, ist Leben nach der Geburt.
    Oft stirbt der Geist, sein Tod ist Sünde. Aber er ersteht wieder zum Leben;
die Auferstehung von den Toten macht Schmerzen.
    Der Geist ist ein Zauberer, er kann alles! Wenn ich mit dem vollen Gefühl
der Liebe vor Dich hintrete, dann bist Du da.
    Was ist denn Zauberei? Die Wahrheit des Gefühls geltend machen. -
    Die Sehnsucht hat allemal recht, aber der Mensch verkennt sie oft.
    Der Mensch hat einen sinnlichen Leib angenommen, damit er in ihm zur
Wahrheit komme; das Irdische ist da, damit sich in ihm das Göttliche
manifestiere.
    Das ganze Wirken der Natur ist nur ein Trieb, der Wahrheit nachzugehen. Die
Wahrheit hat keinen Leib, aber das sinnliche Leben ist die Spur ihres Wegs.
    Manchmal hab ich den Trieb, mich von Dir, wie ich Dich sinnlich erkenne,
abzuwenden und an das göttliche Geheimnis Deines Daseins zu appellieren, dann
fühl ich, dass sich alle verschiedenen Neigungen in einer auflösen.
    Gewiss! Die Liebe ist Instinkt einer höheren Gemeinschaft, einer göttlichen
Natur mit dem Geliebten. Drum schließt Liebe alle verschiedenen Neigungen aus.
    Wenn wir erst wissen, dass alle äußeren Augen ein inneres Auge sind, das uns
sieht, so tun wir alles dem inneren Auge zulieb, denn wir wollen in unserer
geheimen Handlung der Schönheit gesehen sein.
    Unser Trieb, schön zu
