 müde ist, und
dann sucht sie es wieder von neuem mit dem Spielwerk vertraut zu machen. Das ist
grade, wie es Gott mit den Menschen macht, er gibt das Schönste, um den Menschen
zur Lust, zur Freude zu reizen und ihm den Verstand dafür zu schärfen. - Die
Kunst ist ein so schönes Spielwerk, um den unruhigen, ewig begehrenden
Menschengeist auf sich selbst zurückzuführen, um ihn denken zu lehren und sehen;
um Geschicklichkeit zu erwerben, die seine Kräfte weckt und steigert. Er soll
lernen, ganz der Unschuld solcher Erfindung sich hingeben und vertrauen auf die
Lust und das Spiel der Phantasie, die ihn zum Höchsten auszubilden und zu reifen
vermag. Gewiss liegen in der Kunst große Geheimnisse höherer Entwicklung
verborgen; ja ich glaub sogar, dass alle Neigungen, von denen die Philister
sagen, dass sie keinen nützlichen Zweck haben, zu jenen mystischen gehören, die
den Keim zu großen, in diesem Leben noch unverständlichen Eigenschaften in unsre
Seele legen; welche dann im nächsten Leben als ein höherer Instinkt aus uns
hervorbrechen, der einem geistigeren Element angemessen ist. -
    Die Art, wie jene in Gold und Silber getriebene Kunstwerke aufgestellt sind,
ist auch zu bewundern und trägt sehr dazu bei, dieselben sowohl in ihrer Pracht
mit einem Blick zu überschauen, als auch ein jedes einzelne bequem zu
betrachten. Es ist eine Wand von schwarzem Ebenholz mit tiefen Kassetten, in der
Mitte der Wand eine große, in welcher das Hauptstück steht, auf beiden Seiten
kleinere, in denen die anderen Kunstwerke, als: Humpen, Becher usw. usw. stehen.
An jeder Kassette hebt sich durch den Druck einer Feder der Boden heraus und
lässt das Kunstwerk von allen Seiten sehen.
    Noch eines Bechers gedenke ich von Bronze, eine echte Antike, wie man
behauptet: und man muss es wohl glauben, weil er so einfach ist und doch so
majestätisch. Ein Jüngling: wahrscheinlich Ganymed, sitzt nachlässig auf einem
Stein, der Adler auf der Erde zwischen seinen Knieen breitet beide Flügel aus,
als wolle er ihn damit schlagen, und legt den ausgestreckten Kopf auf des
Jünglings Brust, der auf den Adler herabsieht, während er die Ärme emporhebt und
mit beiden Händen ein herrliches Trinkgefäss hält, was den Becher bildet. Kann
man sich was Schöneres denken? - Nein! Der wilde Adler, der ganz
leidenschaftlich den ruhigen Jüngling gleichsam anfällt und doch an ihm ausruht,
und jener, der so spielend den Becher emporhebt, ist gar zu schön, und ich hab
allerlei dabei gedacht. Eine andre Wand will ich Ihr noch beschreiben und dann
zu Bette gehen, denn ich bin müde; stell Sie sich ein goldnes Honigwaben vor, aus
dem die ganze Wand besteht, lauter
