
in dem Augenblick, wo unsere sittliche Kraft auf die Höhe steigt, mit der allein
wir sie zu fassen vermögen. Ich glaube: mit uns selbst ins Gericht gehen, oder
wenn Du willst, Krieg führen mit allen Mächten, ist das beste Mittel, höherer
Gedanken teilhaftig zu werden. Es gibt eine Art Lumpengesindel auch im Geist,
das alle Befähigung zur Inspiration unterdrückt und sich wuchernd ausbreitet;
dahin gehören die Ansprüche aller Art nach außen: wer etwas von außen erwartet,
dem wird es in dem Innern nicht kommen, aller Reiz, der nach außen zur
Versündigung wird, kann im Innersten konzentriert zur Tugend werden; - das
Gefühl, das, sowie es sich mit der Oberfläche des Lebens berührt, gleich zur
Eitelkeit anschliesst: in der innersten Seele festgehalten, wird sich zu einer
demütigen Unterwerfung an die Schönheit ausbilden. Und so könnte wohl jede
Verkehrtheit daher entstehen, weil ihr Reiz fehlgeht in seiner Befriedigung.
Alle Ansprüche, aller Reiz, alle Leidenschaft soll befriedigt werden, aber nur
durch das Göttliche, und so nicht der Sklave der Leidenschaft, sondern unserer
höheren Natur werden.
    Wenn ich mich über mich selbst stelle und über mein Tun und Treiben, dann
kommen mir gleich Gedanken, von denen empfinde ich, sie haben eine bestimmte
Beziehung auf eine bestimmte Erscheinung in mir, wie gewiss auch bei den
verschiedenen Epochen in dem Pflanzenleben die Nahrung eine verschiedene geistige
Richtung annimmt; dass zum Beispiel beim Blühen der Nahrungsstoff, der doch aus
denselben Elementen besteht, eine in sich selbst erhöhte geistige Verwandlung
vornimmt; denn er äußert sich ja nicht mehr bloß vegetierend in dem Leben der
Pflanze, sondern duftend, wissend, in ihrem Geist. Gedanken dieser Art beglücken
mich, wenn ich Frieden mit mir schließe und den Schlaf gleichsam annehme als
Versöhnung mit mir selbst; so gestern abend fühlte ich vor dem Einschlafen, als
ob mich mein Inneres in Liebe aufgenommen habe, und da schlief ich die Ruhe bis
tief in meine Seele hinein und wachte von Zeit zu Zeit auf und hatte Gedanken.
Ich schrieb sie, ohne sie weiter zu spinnen oder ihren Gehalt zu wägen, ja
selbst manche, ohne sie ganz zu verstehen, mit Bleistift auf - und schlief dann
gleich wieder fort, aber bald weckte mich's wieder auf; diese Gedanken waren wie
Ausrufungen meiner Seele in der Empfindung von Behagen. Ich will sie hier
abschreiben, wie ich sie nacheinander erfahren. Ob sie Wert und Gehalt haben,
lasse ich unberührt, aber immer werden sie ein Beweis sein, dass der Geist auch
im Schlaf lebendig wirkt.
    Ich glaub, dass jede Handlung ihre unendlichen Folgen hat; dass uns die
Wahrheit Genuss gewährt, dass also jeder Genuss eine Wahrheit zum tiefsten Grunde
hat, dass also
