 einräumt.
    Mancher will sich selbst beherrschen, daran scheitert jeder Witz, jede List,
jede Ausdauer; er muss sich selbst beherrschen lassen durch seinen Genius, durch
seine idealische Natur.
    Du kannst den Geist nicht erzeugen. Du kannst ihn nur empfangen.
    Du berührst Dich mit dem Geliebten in allem, was Du erhaben über Dich
fühlst.
    Du bist im Geheimnis der Liebe mit ihm, in allem, was Dich begeistert.
    Nichts soll Dich trennen von diesem göttlichen Selbst, alles, was eine Kluft
zwischen Dir und dem Genius bildet, ist Sünde.
    Nichts ist Sünde, was mit ihm nicht entzweit, jeder Scherz, jeder Mutwill,
jede Kühnheit ist durch ihn sanktioniert, er ist die göttliche Freiheit in uns.
    Wer sich durch die Äußerung dieser göttlichen Freiheit beleidigt fühlt, der
lebt nicht in seinem Genius, dessen Weisheit ist nicht Inspiration, sie ist
Afterweisheit.
    Die Erkenntnis des Bösen ist ein Abwenden aus der Umarmung der idealischen
Liebe; die Sünde spiegelt sich nicht im Auge des Geliebten.
    Du saugst göttliche Freiheit aus dem Blick der Liebe, der Blick des Genius
strahlt göttliche Freiheit. -
    Es gibt ein wildes Naturleben, das durch alle Abgründe schweift, den
göttlichen Genius nicht kennt, aber ihn nicht verleugnet; es gibt ein zahmes,
kultiviertes Tugendleben, das ihn von sich ausschliesst.
    Wer die Tugend übt aus eigener Weisheit, der ist ein Sklave seiner
kurzsichtigen Bildungsanstalt; - wer dem Genius vertraut, der atmet göttliche
Freiheit, dessen Fähigkeiten sind zerteilt in alle Regionen, und er wird sich
überall wiederfinden im göttlichen Element.
    Ich habe oft mit dem Genius gespielt in der Nacht, statt zu schlafen, und
ich war müde, und er weckte mich zu vertraulichen Gesprächen und ließ mich nicht
schlafen.
    So sprach der Dämon heute nacht mit mir, da ich versuchte, Dir deutlich zu
machen, in welchen wunderlichen Mitteilungen ich in diesen Kinderjahren
begriffen war; er setzte Gedanken in mir ab, ich erwog sie nicht, ich glaubte an
sie, sie waren wohl andrer Art, aber das Eigene hatten sie, wie auch noch jetzt,
dass ich sie nicht als Selbstgedachtes, sondern als Mitgeteiltes empfinde.
                                     * * *
Du bist gut, Du willst nicht, dass ich dies süße Geschwätz mit Dir abbreche, es
ist doch allenfalls so schön und so verständlich wie das Blinken der Sterne, was
ich Dir hier sage; und wenn es auch nur wär eine Melodie, die sich durch meinen
Geist Luft machte - sie ist äußerst lieblich, diese Melodie, und lehrt Dich
träumen.
    O lerne schöne Träume durch mein Geschwätz, die Dich beflügeln und mit Dir
den kühlen Äther durchschiffen.
    Wie herrlich schreitest Du auf diesen Traumteppichen! Wie wühlst Du Dich
durch die tausendfältigen
