 wirklich Berührung mit der Geisterwelt
war? - Wie Gott die Schöpfung dachte, da ward der einzige Gedanke: »Es werde«,
ein Baum, der alle Welten trägt und sie reift. So ist auch dieser Hauch, dies
Gelispel der Natur in nächtlicher Stille ein leiser Geisterhauch, der den Geist
weckt und ihn besäet mit allen Gedanken, die ewig währen.
    Ich sah ein Inneres in mir, ein Höheres, dem ich mich unterworfen fühlte,
dem ich alles opfern sollte, und wo ich's nicht tat, da fühlte ich mich aus der
Bahn der Erkenntnis herausgeworfen, und noch heute muss ich diese Macht
anerkennen, sie spricht allen selbstischen Genuss ab, sie trennt von den
Ansprüchen an das allgemeine Leben und hebt über diese hinweg. Es ist sonderbar,
dass das, was wir für uns selbst fordern, gewöhnlich auch das ist, was uns
unserer Freiheit beraubt; wir wollen gebunden sein mit Banden, die uns süß
deuchten und unserer Schwachheit eine Stütze, eine Versicherung sind; wir wollen
getragen sein, gehoben durch Anerkenntnis, durch Ruhm, und ahnen nicht, dass wir
dieser Forderung das Ruhmwürdige und die Nahrung des Höheren aufopfern; wir
wollen geliebt sein, wo wir Anregung zur Liebe haben, und erkennen's nicht, dass
wir den liebenden Genius darum in uns verdrängen. Wo bleibt die Freiheit, wenn
die Seele Bedürfnisse hat und sie befriedigt wissen will durch äußere
Vermittlung? -
    Was ist die Forderung, die wir außer uns machen, anders, als der Beweis
eines Mangels in uns? Und was bewirkt ihre Befriedigung, als nur die Beförderung
dieser Schwäche, die Gebundenheit unserer Freiheit in dieser? Der Genius will,
dass die Seele lieber entbehre, als dass sie von der Befriedigung eines Triebes,
einer Neigung, eines Bedürfnisses abhänge.
    Wir alle sollen Könige sein; und je widerspenstiger, je herrischer der
Knecht in uns, je herrlicher wird sich die Herrscherwürde entfalten, je kühner
und gewaltiger der Geist, der überwindet.
    Der Genius, der selbst die Flügel regt, sich in den blauen Äther erhebt und
Lichtstrahlen aussendet, der Macht hat, die Seligkeit durch eigne Kräfte zu
erzeugen; wie schön, wenn der sich vor Dir beugt und Dich lieben will, der nicht
um Liebe klagt, nicht sie fordert, sondern sie gibt. - Ja, schön und herrlich:
übergehen ineinander, in den Lichtsphären des Geistes, in aller Glorie der
Freiheit aus eigenem, kräftigem Willen.
    Die Erde liegt im Äther wie im Ei, das Irdische liegt im Himmlischen wie im
Mutterschoss, die Liebe ist der Mutterschoss des Geistes.
    Es gibt keine Weisheit, keine Erkenntnis des Wahren, die mehr will, als die
Liebe zu ihr.
    Jede Wahrheit buhlt
