 Sehnsucht als die nach dem Aufblühen meiner
Blumenknospen, keinen heisseren Durst, als der mich befiel, wenn ich mitten in
der schönen blühenden Natur stand, und alles voll üppigem Gedeihen um mich her.
Nichts hat freundlicher und mitleidiger mich berührt als die Sonnenstrahlen des
jungen Jahrs, und wenn Du eifersüchtig sein könntest, so wär es nur auf diese
Zeit, denn wahrlich, ich sehne mich wieder dahin.
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Eine Sonne geht uns auf, sie weckt den Geist wie den jungen Tag, mit ihrem
Untergang geht er schlafen; wenn sie aufsteigt, erwacht ein Treiben im Herzen
wie der Frühling, wenn sie hoch steht, glüht der Geist mächtig, er ragt über das
Irdische hinaus und lernt aus Offenbarungen; wenn sie sich dem Abend neigt, da
tritt die Besinnung ein, ihrem Untergang folgt die Erinnerung; wir besinnen uns
in der Schattenruhe auf das Wogen der Seele im Lichtmeer, auf die Begeisterung in
der Zeit der Glut, und mit diesen Träumen gehen wir schlafen. Manche Geister
aber steigen so hoch, dass ihnen die Liebessonne nimmermehr untergeht, und der
neue Tag schließt sich an den versinkenden an.
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Die einsame Zeit ist allein, was mir bleibt; wessen ich mich erinnere, das war
in der Einsamkeit erlebt, und was ich erlebt habe, das hat mich einsam gemacht;
die ganze weite Welt umspielt in allen Farben den einsamen Geist, sie spiegelt
sich in ihm, aber sie durchdringt ihn nicht.
    Geist ist in sich, und was er wahrnimmt, was er aufnimmt, das ist seine
eigne Richtung, sein Vermögen; es ist seine höchste Offenbarung, dass er erfasse,
was er vermag. Ich glaub, im Tode mag's ihm wohl offenbar werden, früher hat er
nur ungläubige Anschauungen davon; hätte ich früher geglaubt, so hätte der Geist
auch zu erreichen gestrebt, was er unmöglich wähnte, und hätte erlangt, wonach
er sich sehnte, denn Sehnsucht ist ein heilig Merkmal der Wahrhaftigkeit seines
Ziels, sie ist Inspiration und macht den Geist kühn. Dem Geist soll nichts zu
kühn sein, denn weil er alles vermag; er ist der Krieger, dem keine Waffe
versagt, er ist der Reiche, dessen Fülle unendliches spendet, er ist der Selige,
dem alles Wollust ist; ja wohl, Geist ist die Gottheit! Die Brust saugt die Luft
in sich und entlässt sie wieder, um sie wieder zu trinken, und das ist Leben. -
Der Geist trinkt sehnend die Gottheit und haucht sie wieder aus, um sie abermals
zu trinken, und das ist sein Leben; alles andre ist Zufall, ist Spur, Geschichte
des Geistes, aber nicht sein Leben.
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Darum ist der Geist
