 und
mühselig, bald glaubt der Strebende sie zu erfassen, bald eilt er der Fliegenden
nach, bald ist sie ihm entschwunden, und er ist's zufrieden, da er der Mühe
überhoben wird, sie zu erwerben. So seh ich denn auch die Künstler vergnügt mit
der Geschicklichkeit, während der Genius entfliehet, sie messen einander und
finden das Maß ihrer eignen Größe immer am höchsten und ahnen nicht, dass eine
ungemessne Begeisterung zum kleinsten Maßstab des Genies gehöre. - Dies alles hab
ich bei Gelegenheit, da Deine Statue von Marmor soll verfertigt werden, recht
sehr empfunden, die bedächtige vorsichtige Logik eines Bildhauers lässt keiner
Begeisterung die Vorhand, er bildet einen toten Körper, der nicht einmal durch
die rechtskräftige Macht des erfinderischen Geistes sanktioniert wird. Der
erfundne Goethe konnte nur so dargestellt werden, dass er zugleich einen Adam,
einen Abraham, einen Moses, einen Rechtsgelehrten oder auch einen Dichter
bezeichnet; keine Individualität.
    Indessen wuchs mir die Sehnsucht, auch einmal nach dem heiligen Ideal meiner
Begeisterung Dich auszusprechen; beifolgende Zeichnung gebe Dir einen Beweis von
dem, was Inspiration vermag ohne Übung der Kunst, denn ich habe nie gezeichnet
oder gemalt, sondern nur immer den Künstlern zugesehen und mich gewundert über
ihre beharrliche Ausdauer in der Beschränkung, indem sie nur das achten, was
einmal Sprachgebrauch in der Kunst geworden, und wohl das bekannte gedankenlose
Wort achten, nie aber den Gedanken, der erst das Wort heiligen soll. Kein
herkömmlicher Prozess kann den Geist und den Propheten und den Gott in einem
ewigen Frieden in dem Kunstwerk vereinen. Der Goethe, wie ich ihn hier mit
zitternder Hand, aber mit feuriger mutiger Anschauung gezeichnet habe, weicht
schon vom graden Weg der Bildhauer ab, denn er senkt sich unmerklich nach jener
Seite, wo die im Augenblick der Begeisterung vernachlässigte Lorbeerkrone in der
losen Hand ruht. Die Seele von höherer Macht beherrscht, die Muse in
Liebesergüssen beschwörend, während die kindliche Psyche das Geheimnis seiner
Seele durch die Leier ausspricht, ihr Füßchen findet keinen andern Platz, sie
muss sich auf dem Deinen den höheren Standpunkt erklettern; die Brust bietet sich
den Strahlen der Sonne, den Arm, dem der Kranz anvertraut ist, haben wir mit der
Unterlage des Mantels weich gebettet. Der Geist steigt im Flammenhaar über dem
Haupt empor, umringt von einer Inschrift, die Du verstehen wirst, wenn Du mich
nicht missverstehst; sie ist auf die verschiedenste Art ausgelegt worden und
immer so, dass es Deinem Verhältnis zum Publikum entsprach, ich habe einesteils
damit ausdrücken wollen: »Alles, was ihr mit euren leiblichen Augen nicht mehr
erkennt, ist über das Irdische hinaus dem Himmlischen zuteil geworden«, ich habe
noch was anders sagen wollen, was Du auch empfinden wirst, was
