 als der erzeugende. - Die Kunst
ist Zeugnis, dass die Sprache einer höheren Welt deutlich in der unsern vernommen
wird, und wenn wir sie auslegen zu wollen uns nicht vermessen, so wird sie
selbst die Vorbereitung jenes höheren Geisteslebens in uns bewirken, von dem sie
die Sprache ist. Es ist nicht nötig, dass wir sie verstehen, aber dass wir an sie
glauben. Der Glaube ist der Same, durch den ihr Geist in uns aufgeht, so wie
durch ihn alle Weisheit aufgeht, da er der Same ist einer unsterblichen Welt. Da
das höchste Wunder wahr ist, so muss wohl alles, was dazwischen liegt, eine
Annäherung zur Wahrheit sein, und nur der richtende Menschengeist führt in die
Irre. Was kann und darf uns billiger Weise noch wundern als unsre eigne
Kleinheit? - Alles ist Vater und Sohn und heiliger Geist; der irdischen Weisheit
Grenze sind die sternebeschienenen Menschlein, die von ihrem Lichte fabeln. -
Die Wärme Deines Blutes ist Weisheit, denn die Liebe gibt das Leben allein. Die
Wärme Deines Geistes ist Weisheit, denn die Liebe belebt den Geist allein; wärme
mein Herz durch Deinen Geist, den Du mir einhauchst, so hab ich den Geist
Gottes, der nur allein vermag's.
    Diese kalte Nacht hab ich zugebracht am Schreibtisch, um das Evangelium
juventutis weiterzuführen, und habe viel gedacht, was ich nicht sagen kann.
    Die Vorratskammer der Erfahrung hat Vorteile aufgespeichert, diese benützen
zu können nach Bedürfnis, ist Meisterschaft; sie auf den Schüler überzutragen,
ist Belehrung; hat der Schüler alles erfasst und versteht er es anzuwenden, so
wird er losgesprochen; dies ist die Schule, durch welche die Kunst sich
fortpflanzt. Ein so Losgesprochener ist einer, dem alle Irrwege zwar offen
stehen, aber nicht der rechte. Aus der langgewohnten Herberge, in die die Lehre
der Erfahrung ihn eingepfercht hatte, entlassen, ist die Wüste des Irrtums seine
Welt, aus der er nicht herauszutreten vermag, jeder Weg, den er ergreift, ist
ein einseitiger Pfad des Irrtums; des göttlichen Geistes bar, durch Vorurteile
verleitet, sucht er seine Kunstgriffe in Anwendung zu bringen, hat er sie alle
an seinem Gegenstand durchgesetzt, so hat er ein Kunstwerk hervorgebracht. Mehr
hat noch nie das Bestreben eines durch die Kunstschule gebildeten Künstlers
erworben. Wer je zu etwas gekommen ist in der Kunst, der hat seiner Kunstgriffe
vergessen, dessen Fracht von Erfahrungen hat Schiffbruch gelitten, und die
Verzweiflung hat ihn am rechten Ufer landen lassen. Was aus solcher gewaltsamen
Epoche hervorgeht, ist zwar oft ergreifend, aber nicht überzeugend, weil der
Maßstab des Urteils und des Begriffs immer nur jene Erfahrungen und Kunstgriffe
sind, die nicht passen, wo das Erzeugnis nicht durch sie
