 ihn zum Dienst der sinnlichen Natur, das ist
die Kunst. Offenbarung des Geistes in den Sinnen ist die Kunst. Was Du fühlst,
das wird Gedanke und was Du denkst, was Du zu erdenken strebst, das wird
sinnliches Gefühl. Was die Menschen in der Kunst zusammentragen, was sie
hervorbringen, wie sie sich durcharbeiten, was sie zu viel oder zu wenig tun,
das möchte manchen Widerspruch erdulden, aber immer ist es ein Buchstabieren des
göttlichen Es werde.
    Was kann uns ergreifen an der Darstellung einer Gestalt, die sich nicht
regt, die den Moment ihrer geistigen Tendenz nicht zu entwickeln vermag? - Was
kann uns durchdringen in einer gemalten Luftschicht, in welcher die Ahnung des
steigenden Lichts nie erfüllt wird? - Was bewegt uns zu heimatlichem Sehnen in
der gemalten Hütte sogar? Was zu dem vertraulichen Hinneigen zum nachgeahmten
Tiere? - Wenn es nicht eine Sanktion des keimenden Geistes der Erzeugung ist!
    Ach, was fragst Du nach der Kunst, ich kann Dir nichts Genügendes sagen?
Frage nach der Liebe, die ist meine Kunst, in ihr soll ich darstellen, in ihr
soll ich mich fassen und heiligen.
    Ich fürchte mich vor Dir, ich fürche mich vor dem Geist, den Du in mir
aufstehen heissest, weil ich ihn nicht aussprechen kann. Du sagst in Deinem
Brief, der ganze Mensch müsse aus sich heraustreten ans Licht; nie hat dies
einfache untrügliche Gebot mir früher eingeleuchtet, jetzt aber, wo Deine
Weisheit mich ans Licht fordert, was hab ich da aufzuweisen, als nur
Verschuldungen gegen diesen inneren Menschen; siehe da! Er war misshandelt und
unterdrückt. - Ist aber dieses Hervortreten des innern Menschen ans Licht nicht
die Kunst? - Dieser innere Mensch, der ans Licht begehrt, dass ihm Gottes Finger
die Zunge löse, das Gehör entbinde, alle Sinne erwecke, dass er empfange und
ausgebe! - Und ist hier die Liebe nicht allein Meisterin und wir ihre Schüler in
jedem Werke, das wir durch ihre Inspiration vollbringen?
    Kunstwerke sind zwar allein das, was wir Kunst nennen, durch was wir die
Kunst zu erkennen und zu genießen glauben. Aber soweit die Erzeugung Gottes in
Herz und Geist erhaben ist über die Begriffe und Mitteilungen, die wir uns von
ihm machen, über die Gesetze, die von ihm unter uns im zeitlichen Leben gelten
sollen, ebenso erhaben ist die Kunst über das, was die Menschen unter sich von
ihr geltend machen. Wer sie zu verstehen wähnt, der wird nicht mehr leisten, als
was der Verstand beherrscht. Wessen Sinne aber ihrem Geist unterworfen sind, der
hat die Offenbarung.
    
    Alles Erzeugnis der Kunst ist Symbol der Offenbarung, und da hat oft der
auffassende Geist mehr teil an der Offenbarung
