 wollen, wie ihre Botschafter, die Phantasie und die Begeisterung.
Obschon in der Musik die Zauberformeln ewig lebendig sind, so spricht sie der
Philister, vor Schreck sie nicht zu verstehen, oft nur halb, oft rückwärts aus,
und nun stehen die sonst so beweglichen, blitzenden, nasskalt, langwierig,
beschwerlich und freilich unverständlich im Weg.
    Dagegen ist der Begeisterte ein anderer: mit heimlicher Zuversicht lauscht
er und wird eine Welt gewahr, sie lässt sich nicht definieren, sie kann dem Gemüt
wohl ihre Wirkung, aber nicht ihren Ursprung mitteilen, daher die plötzliche
reife Erscheinung des Genies, das lang in ungebundner Selbstbeschauung zerstreut
war, nun in sich selbst erhöht, hervorbricht ans Tageslicht, unbekümmert, ob die
Ungeweihten es verstehen, da es mit Gott spricht (Beethoven). So steht's mit der
Musik, das Genie kann nicht offenbar werden, weil die Philister nichts
anerkennen, als was sie verstehen. - Wenn ich mir da meinen Beethoven denke,
der, den eignen Geist fühlend, freudig ausruft: »Ich bin elektrischer Natur, und
darum mache ich so herrliche Musik!«
    Viele Sinne zu einer Erscheinung des Geistes. Stetes lebhaftes Wirken des
Geistes auf die Sinne (Menschen), ohne welche kein Geist, keine Musik.
    Wollust, ins Vergangne zu schauen wie durch Kristall, Einsicht der
Beherrschung, der Tragung, der Erregung des Geistes; - nimmermehr in der Musik,
was verklungen ist, hatte seinen eignen Tempel. Der ist mit ihm versunken, Musik
kann nur ewig neu erstehen.
    Sonderbares Schicksal der Musiksprache, nicht verstanden zu werden. Daher
immer die Wut gegen das, was noch nicht gehört war, daher der Ausdruck:
»Unerhört.« Dem Genie in der Musik steht der Gelehrte in der Musik allemal als
ein Holzbock gegenüber (Zelter muss vermeiden, dem Beethoven gegenüberzustehen),
das Bekannte verträgt er, nicht weil er es begreift, sondern weil er es gewohnt
ist wie der Esel den täglichen Weg. Was kann einer noch, wenn er auch alles
wollte, solang er nicht mit dem Genius sein eigenes Leben führt, da er nicht
Rechenschaft zu geben hat und die Gelehrsamkeit ihm nicht hineinpfuschen darf.
Die Gelehrsamkeit versteht ja doch nur höchstens, was schon da war, aber nicht,
was da kommen soll, er kann die Geister nicht lösen vom Buchstaben, vom Gesetz.
Jede Kunst steht eigenmächtig da, den Tod zu verdrängen, den Menschen in den
Himmel zu führen; aber wo sie die Philister bewachen und als Meister
lossprechen, da steht sie mit geschornem Haupt, beschämt, was freier Wille,
freies Leben sein soll, ist Uhrwerk. Und da mag nun einer zuhören, glauben und
hoffen, es wird doch nichts
