 hab ich nun besseres zu tun, als Dein Herz
warmzuhalten, die Unterweste hab ich so schmeichelnd warm gemacht als mir nur
möglich. Denk an mich.
    Ich habe des Fürsten Radziwill seine Musik aus dem »Faust« gehört, das Lied
vom Schäfer ist so einzig lebendig darstellend, kurz, alle löbliche
Eigenschaften besitzend, dass es gewiss nimmermehr so trefflich kann komponiert
werden. Das Chor: »Drinnen sitzt einer gefangen«, es geht einem durch Mark und
Bein. - Das Chor der Geister, wo Faust einschlummert, herrlich! Man hört den
Polen durch, ein Deutscher hätt es nicht so angefangen, um so reizender. Es muss
so leicht vorgetragen werden wie fliegende Spinnweb in den Sommerabenden.
    Zelter ist manchmal bei uns, ich suche herauszubringen, was er ist.
Ungeschliffen ist er zwar, recht und unrecht hat er auch, Dich liebzuhaben
behauptet er auch, er möchte der Welt dienen und führt Klage, dass sie sich's
nicht will gefallen lassen, und dass er alle Weisheit für sich behalten muss.
Einen Standpunkt hat er sich erwählt, von dem aus er sie von oben herab
beschaut. Und der Welt ist's einerlei, dass er mit den Krähen auf der Zinne sitzt
und sie sich auf ihren Gemeinplätzen tummeln sieht. An der Liedertafel ist er
Cäsar und freut sich seiner Siege, in der Singakademie ist er Napoleon und jagt
durch sein Machtwort alles in Schrecken, und seine Truppen gehen mit Zuversicht
durch dick und dünn; zum Glück ist gesungen nicht gehauen und gestochen. Seine
Leibgarde, der Bass, hat den Katarrh. In der Welt, in der Gesellschaft und auf
Reisen, da ist er Goethe, und zwar ein recht menschlicher, voll herablassender
Güte, er wandelt, er steht, wirft ein kurzes Wort hin, nickt freundlich zu
unbedeutenden Dingen, hält die Hände auf den Rücken, das macht sich alles; nur
zuweilen speit er aus, und zwar herzhaft, das trifft nicht, da geht die ganze
Illusion zum Teufel.
    Die Verwirrung, die das Magische in jeder Kunst bei den Philistern
veranlasst, ist bei der Musik auf den höchsten Grad gestiegen; Zelter zum
Beispiel lässt nichts die Maut passieren, was er nicht schon versteht, und
eigentlich ist das doch nur Musik, was grade da beginnt, wo der Verstand nicht
mehr ausreicht, und die ewig vernichtenden Quergeister, die es so gut meinen,
wenn sie zuvörderst das Verständliche in der Kunst fordern: dass die nicht
begreifen, dass sie das höchste Element einer göttlichen Sprache herabwürdigen,
wenn sie es nur mit dem ausfüllen, was sie verstehen, indem sie ja doch nur das
Gemeine verstehen, und dass sie höhere Offenbarung nie erfahren, wenn sie ewig
gescheiter sein
