
                                                                        Mittwoch
Heute gingen wir aufs Feld, um die Wirkung einer Maschine zu sehen, mit der
Christian bei großer Dürre die Saaten wässern will; ein sich weit verbreitender
Perlenregen spielte in der Sonne und machte uns viel Vergnügen. Mit diesem
Bruder geh ich gern spazieren, er schlendert so vor mir her und findet überall
was Merkwürdiges; er kennt das Leben der kleinen Insekten und ihre Wohnungen,
und wie sie sich nähren und mehren; alle Pflanzen nennt er und kennt ihre
Abkunft und Eigenschaften, manchmal bleibt er den ganzen Tag auf einem Fleck
liegen und simuliert, wer weiß, was er da alles denkt, in keiner Stadt gäb's so
viel zu tun, als was seine Erfindsamkeit jeden Augenblick ausheckt; bald hab ich
beim Schmied, bald bei dem Zimmermann oder Maurer subtile Geschäfte für ihn, bei
dem einen zieh ich den Blasbalg, bei dem andern halte ich Schnur und Richtmass.
Mit der Nähnadel und Schere muss ich auch eingreifen; eine Reisemütze hat er
erfunden, deren Zipfel sich in einen Sonnenschirm ausbreitet, und einen
Reisewagen rund wie eine Pauke, mit Lämmerfell ausgeschlagen, der von selbst
fährt; Gedichte macht er auch, ein Lustspiel hat er gemacht zum Lachen für Mund
und Herz; auf der Flöte bläst er in die tiefe Nacht hinein selbstgemachte, sehr
schöne brillante Variationen, die im ganzen Praginer Kreis widerhallen. Er lehrt
mich reiten und das Pferd regieren wie ein Mann; er lässt mich ohne Sattel reiten
und wundert sich, dass ich sitzen bleib im Galopp. Der Gaul will mich nicht
fallen lassen, er kneipt mich in den Fuß zum Scherz und dass ich Mut haben soll,
er ist vielleicht ein verwünschter Prinz, dem ich gefall. Fechten lehrt mich der
Christian auch, mit der linken Hand und mit der rechten, und nach dem Ziel
schießen nach einer großen Sonnenblume, das lern ich alles mit Eifer, damit mein
Leben doch nicht gar zu dumm wird, wenn's wieder Krieg gibt; heute abend waren
wir auf der Jagd und haben Schmetterlinge geschossen, zwei hab ich getroffen auf
einen Schuss.
    So geht der Tag rasch vorüber, erst fürchtete ich vor Zeitüberfluss
allzulange Briefe zu schreiben oder Dich mit spekulativen Gedanken über Gott und
Religion zu behelligen, weil ich in Landshut viel in der Bibel gelesen habe und
in Luthers Schriften. Jetzt ist mir alles so rund wie die Weltkugel, wo denn gar
nichts zu bedenken ist, weil wir nirgendwo herunterfallen können. Deine Lieder
singe ich im Gehen in der freien Natur, da finden sich die Melodien von selbst,
die meiner Erfindung den rechten Rhythmus geben; in der Wildnis mach ich
bedeutende Fortschritte, das heißt, kühne Sätze von einer Klippe zur andern. Da
hab ich einen kleinen Tummelplatz
