 Brief.
 
                                   An Bettine
Dein Brief, herzlich geliebtes Kind, ist zur glücklichen Stunde an mich gelangt,
Du hast Dich brav zusammengenommen, um mir eine große und schöne Natur in ihren
Leistungen wie in ihrem Streben, in ihren Bedürfnissen, wie in dem Überfluss
ihrer Begabteit darzustellen, es hat mir großes Vergnügen gemacht, dies Bild
eines wahrhaft genialen Geistes in mich aufzunehmen, ohne ihn klassifizieren zu
wollen, gehört doch ein psychologisches Rechnungskunststück dazu, um das wahre
Fazit der Übereinstimmung da herauszuziehen, indessen fühle ich keinen
Widerspruch gegen das, was sich von Deiner raschen Explosion erfassen lässt; im
Gegenteil möchte ich Dir für einen innern Zusammenhang meiner Natur, mit dem,
was sich aus diesen mannigfaltigen Äußerungen erkennen lässt, einstweilen
einstehen, der gewöhnliche Menschenverstand würde vielleicht Widersprüche darin
finden, was aber ein solcher vom Dämon Besessener ausspricht, davor muss ein Laie
Ehrfurcht haben, und es muss gleichviel gelten, ob er aus Gefühl oder aus
Erkenntnis spricht, denn hier walten die Götter und streuen Samen zu künftiger
Einsicht, von der nur zu wünschen ist, dass sie zu ungestörter Ausbildung
gedeihen möge; bis sie indessen allgemein werde, da müssen die Nebel vor dem
menschlichen Geist sich erst teilen. Sage Beethoven das Herzlichste von mir, und
dass ich gern Opfer bringen würde, um seine persönliche Bekanntschaft zu haben,
wo denn ein Austausch von Gedanken und Empfindungen gewiss den schönsten Vorteil
brächte, vielleicht vermagst Du so viel über ihn, dass er sich zu einer Reise
nach Karlsbad bestimmen lässt, wo ich doch beinah jedes Jahr hinkomme und die
beste Musse haben würde, von ihm zu hören und zu lernen; ihn belehren zu wollen,
wäre wohl selbst von Einsichtigern als ich Frevel, da ihm sein Genie vorleuchtet
und ihm oft wie durch einen Blitz Hellung gibt, wo wir im Dunkel sitzen und kaum
ahnen, von welcher Seite der Tag anbrechen werde.
    Sehr viel Freude würde es mir machen, wenn Beethoven mir die beiden
komponierten Lieder von mir schicken wollte, aber hübsch deutlich geschrieben,
ich bin sehr begierig sie zu hören, es gehört mit zu meinen erfreulichsten
Genüssen, für die ich sehr dankbar bin, wenn ein solches Gedicht früherer
Stimmung mir durch eine Melodie (wie Beethoven ganz, richtig erwähnt) wieder
aufs neue versinnlicht wird.
    Schließlich sage ich Dir noch einmal den innigsten Dank für Deine
Mitteilungen und Deine Art mir wohlzutun, da Dir alles so schön gelingt, da Dir
alles zu belehrendem, freudigem Genuss wird, welche Wünsche könnten da noch
hinzugefügt werden, als dass es ewig so fortwähren möge; ewig auch in Beziehung
auf mich, der den Vorteil nicht verkennt, zu Deinen Freunden gezählt zu werden.
Bleibe mir daher, was Du mit so großer Treue warst, sooft Du
