 in meinen Symphonien aus, der Schmelz vielseitiger Formen wogt
dahin in einem Bett bis zum Ziel. Da fühlt man denn wohl, dass ein Ewiges,
Unendliches, nie ganz zu Umfassendes in allem Geistigen liege, und obschon ich
bei meinen Werken immer die Empfindung des Gelingens habe, so fühle ich einen
ewigen Hunger, was mir eben erschöpft schien, mit dem letzten Paukenschlag, mit
dem ich meinen Genuss, meine musikalische Überzeugung den Zuhörern einkeilte, wie
ein Kind von neuem anzufangen. Sprechen Sie dem Goethe von mir, sagen Sie ihm,
er soll meine Symphonien hören, da wird er mir recht geben, dass Musik der
einzige unverkörperte Eingang in eine höhere Welt des Wissens ist, die wohl den
Menschen umfasst, dass er aber nicht sie zu fassen vermag. - Es gehört Rhythmus
des Geistes dazu, um Musik in ihrer Wesenheit zu fassen, sie gibt Ahnung,
Inspiration himmlischer Wissenschaften, und was der Geist sinnlich von ihr
empfindet, das ist die Verkörperung geistiger Erkenntnis. - Obschon die Geister
von ihr leben, wie man von der Luft lebt, so ist es noch ein anders, sie mit dem
Geiste begreifen; - je mehr aber die Seele ihre sinnliche Nahrung aus ihr
schöpft, je reifer wird der Geist zum glücklichen Einverständnis mit ihr. - Aber
wenige gelangen dazu, denn so wie Tausende sich um der Liebe willen vermählen
und die Liebe in diesen Tausenden sich nicht einmal offenbart, obschon sie alle
das Handwerk der Liebe treiben, so treiben Tausende einen Verkehr mit der Musik
und haben doch ihre Offenbarung nicht; auch ihr liegen die hohen Zeichen des
Moralsinns zum Grunde wie jeder Kunst, alle echte Erfindung ist ein moralischer
Fortschritt. - Sich selbst ihren unerforschlichen Gesetzen unterwerfen, vermöge
dieser Gesetze den eignen Geist bändigen und lenken, dass er ihre Offenbarungen
ausströme, das ist das isolierende Prinzip der Kunst; von ihrer Offenbarung
aufgelöst werden, das ist die Hingebung an das Göttliche, was in Ruhe seine
Herrschaft an dem Rasen ungebändigter Kräfte übt und so der Phantasie die
höchste Wirksamkeit verleihet. So vertritt die Kunst allemal die Gottheit, und
das menschliche Verhältnis zu ihr ist Religion, was wir durch die Kunst
erwerben, das ist von Gott, göttliche Eingebung, die den menschlichen
Befähigungen ein Ziel steckt, was er erreicht.
    Wir wissen nicht, was uns Erkenntnis verleihet; das fest verschlossne
Samenkorn bedarf des feuchten, elektrisch warmen Bodens, um zu treiben, zu
denken, sich auszusprechen. Musik ist der elektrische Boden, in dem der Geist
lebt, denkt, erfindet. Philosophie ist ein Niederschlag ihres elektrischen
Geistes; ihre Bedürftigkeit, die alles auf ein Urprinzip gründen will, wird
durch sie gehoben, obschon der Geist dessen nicht mächtig ist, was er durch
