 ist weiter nichts Merkwürdiges auf der Reise bis Wien vorgefallen,
außer dass ich am nächsten Morgen die Sonne aufgehen sah, ein Regenbogen drüber
und davor ein Pfau, der sein Rad schlug.
                                                                Wien, am 28. Mai
Wie ich diesen sah, von dem ich Dir jetzt sprechen will, da vergaß ich der
ganzen Welt, schwindet mir doch auch die Welt, wenn mich Erinnerung ergreift, -
ja sie schwindet. Mein Horizont fängt zu meinen Füßen an, wölbt sich um mich,
und ich stehe im Meer des Lichts, das von Dir ausgeht, und in aller Stille
schweb ich gelassenen Flugs über Berg und Tal zu Dir. - Ach, lasse alles sein,
mache Deine lieben Augen zu, leb in mir einen Augenblick, vergesse, was zwischen
uns liegt, die weiten Meilen und auch die lange Zeit. - Von da aus, wo ich Dich
zum letztenmal sah, sehe mich an; ständ ich doch vor Dir! - Könnt ich's Dir
deutlich machen! Der tiefe Schauder, der mich schüttelt, wenn ich eine Weile der
Welt mit zugesehen habe, wenn ich dann hinter mich sehe in die Einsamkeit und
fühle, wie fremd mir alles ist. Wie kommt's, dass ich dennoch grüne und blühe in
dieser Öde? - Wo kommt mir der Tau, die Nahrung, die Wärme, der Segen her? - Von
dieser Liebe zwischen uns, in der ich mich selbst so lieblich fühle. - Wenn ich
bei Dir wär, ich wollte Dir viel wiedergeben für alles. - Es ist Beethoven, von
dem ich Dir jetzt sprechen will, und bei dem ich der Welt und Deiner vergessen
habe; ich bin zwar unmündig, aber ich irre darum nicht, wenn ich ausspreche (was
jetzt vielleicht keiner versteht und glaubt), er schreitet weit der Bildung der
ganzen Menschheit voran, und ob wir ihn je einholen? - Ich zweifle; möge er nur
leben, bis das gewaltige und erhabene Rätsel, was in seinem Geiste liegt, zu
seiner höchsten Vollendung herangereift ist, ja, möge er sein höchstes Ziel
erreichen, gewiss, dann lässt er den Schlüssel zu einer himmlischen Erkenntnis in
unseren Händen, die uns der wahren Seligkeit um eine Stufe näher rückt.
    Vor Dir kann ich's wohl bekennen, dass ich an einen göttlichen Zauber glaube,
der das Element der geistigen Natur ist, diesen Zauber übt Beethoven in seiner
Kunst; alles, wessen er Dich darüber belehren kann, ist reine Magie, jede
Stellung ist Organisation einer höheren Existenz, und so fühlt Beethoven sich
auch als Begründer einer neuen sinnlichen Basis im geistigen Leben; Du wirst
wohl herausverstehen, was ich sagen will, und was wahr ist. Wer könnte
