, dessen Seele frei von
bösen Fehlen, offen vor jedem lag als ein Beispiel von Unschuld und Heldentum,
hat nun endlich am 20. Februar zur Bestätigung seines großen Schicksals den Tod
erlitten; wie konnt es anders kommen, sollte er die Schmach mittragen? - Das
konnt nicht sein, so hat es Gott am besten gemacht, dass er nach kurzer Pause
seit dieser verklärenden Vaterlandsbegeisterung mit großer Kraft und
Selbstbewusstsein, und nicht gegen sein Schicksal klagend, seinem armen Vaterland
auf ewig entrissen ward. Vierzehn Tage lag er gefangen in dem Kerker bei Porta
Molina, mit vielen andern Tirolern. Sein Todesurteil vernahm er gelassen und
unerschüttert; Abschied ließ man ihn von seinen geliebten Landsleuten nicht
nehmen, den Jammer und das Heulen der eingesperrten Tiroler übertönte die
Trommel, er schickte ihnen durch den Priester sein letztes Geld und ließ ihnen
sagen: er gehe getrost in den Tod und erwarte, dass ihr Gebet ihn
hinüberbegleite. - Als er an ihren Kerkertüren vorbeischritt, lagen sie alle auf
den Knien, beteten und weinten; auf dem Richtplatz sagte er: er stehe vor dem,
der ihn erschaffen, und stehend wolle er ihm seinen Geist übergeben; ein
Geldstück, was unter seiner Administration geprägt war, übergab er dem Korporal,
mit dem Bedeuten: es solle Zeugnis geben, dass er sich noch in der letzten Stunde
an sein armes Vaterland mit allen Banden der Treue gefesselt fühle. Dann rief
er: »Gebt Feuer!« Sie schossen schlecht, zweimal nacheinander gaben sie Feuer,
erst zum drittenmal machte der Korporal, der die Exekution leitete, mit dem
dreizehnten Schuss seinem Leben ein Ende.
    Ich muss meinen Brief schließen, was könnte ich Dir noch schreiben? Die ganze
Welt hat ihre Farbe für mich verloren. Ein großer Mann sei Napoleon, so sagen
hier alle Leute, ja äußerlich, aber dieser äußern Größe opfert er alles, was
seine unplanetarische Laufbahn durchkreuzt. Unser Hofer, innerlich groß, ein
heiliger deutscher Charakter, wenn Napoleon ihn geschützt hätte, dann wollte ich
ihn auch groß nennen. - Und der Kaiser, konnte der nicht sagen, gib mir meinen
Tiroler Helden, so geh ich Dir meine Tochter, so hätte die Geschichte groß
genannt, was sie jetzt klein nennen muss.
    Adieu! Dass Du mein Tagebuch zum Tempel einer indischen Gottheit erhebst, ist
Prädestination. Von jenen lichten Waldungen des Äters, von Sonnenwohnungen, vom
vielgestaltigen Dunkel und einer bildlosen Klarheit, in der die tiefe Seele lebt
und atmet, habe ich oft schon geträumt.
    An Rumohr konnt ich Deinen Gruß nicht bestellen, ich weiß nicht, nach
welcher Seite er mit dem Winde davongestoben ist.
    Landshut, den 10. März 1810
 
                                   An Bettine
Liebe Bettine, es ist mir ein unerlässlich Bedürfnis
