 möge stets bei euch einkehren, um böses
Schicksal abzuwehren. Dann lernt noch schreiben euren Namen, unter gerechte
Sach, ich sage Amen. Das ist das echte Kultursheim, worauf ich machte diesen
Reim.«
    Ich flirrte jeden Augenblick zur Tür hinaus, aus Angst, der Schulmeister
möge aufwachen, draußen machte ich meinen Reim und schlich wieder auf den Zehen
herbei, um ihn mit einer einseitigen Feder, die wahrscheinlich mit dem Brodkneip
zugeschnitten war, aufzuschreiben, zuletzt nahm ich das blaue Band von meinem
Strohhut und machte eine schöne Schleife um das Buch, damit er's doch sehen
möge; denn sonst hätte dies schöne Gedicht leicht unter dem Wust der
Schreibbücher verloren gehen können. Vor der Tür saß Rumohr, mein Begleiter, und
hatte unterdessen eine Schüssel mit saurer Milch ausgespeist, ich wollte nichts
essen und auch mich nicht mehr aufhalten, aus Furcht, der Schulmeister könne
aufwachen. Unterwegs sprach Rumohr sehr schön über den Bauernstand, über ihre
Bedürfnisse, und wie das Wohl des Staats von dem ihrigen abhinge, und wie man
ihnen keine Kenntnisse aufzwingen müsse, die sie nicht selbst in ihrem Beruf
unmittelbar benützen könnten, und dass man sie zu freien Menschen bilden müsse,
das heißt: zu Leuten, die sich alles selbst verschaffen, was sie brauchen. Dann
sprach er auch über ihre Religion, und da hat er etwas sehr Schönes gesagt, er
meinte nämlich, jedem Stand müsse das als Religion gelten, was sein höchster
Beruf sei; des Bauern Beruf sei, das ganze Land vor Hungersnot zu schützen,
hierin müsse ihm seine Wichtigkeit für den Staat, seine Verpflichtungen für
denselben begreiflich gemacht werden, es müsse ihm ans Herz gelegt werden,
welchen großen Einfluss er auf das Wohl des Ganzen habe, und so müsse er auch mit
Ehrfurcht behandelt werden, daraus werde die Selbstachtung entstehen, die doch
eigentlich jedem Menschen mehr gelte wie jeder andre Vorteil, und so würden die
Opfer, die das Schicksal fordert, ungezwungen gebracht werden, wie die Mutter,
die ihr eigenes Kind nährt, auch demselben mit Freuden ihr letztes aufopfert; so
würde das unmittelbare Gefühl dem Wohl des Ganzen wesentlich zu sein, gewiss
jedes Opfer bringen, um sich diese Würde zu erhalten; keine Revolutionen würden
dann mehr entstehen; denn der gewitzigte Staatsgeist in allen würde jeder
gerechten Forderung vorgreifen, und das würde eine Religion sein, die jeder
begreife, und wo das ganze Tagewerk ein fortwährendes Gebet sei, denn alles, was
nicht in diesem Sinn geschehe, das sei Sünde; er sagte dies noch viel schöner
und wahrer, ich bin nur dieser Weisheit nicht gewachsen und kann es nicht so
wiedergeben.
    So bin ich denn auf einmal von meiner Beichte abgekommen, ich wollte Dir
noch manches sagen,
