, der aus fremder Brust kommt, nicht
berührte. Was könnte das für einen Einfluss auf die Seele haben, nur neben dem
Freund zu leben? - Um so schmerzlicher der Kampf gegen das, was geistig und
leiblich ewig fremd bleiben muss.
    Siebentens: wenn ich in Gesellschaft soll vorlesen hören, setze ich mich in
eine Ecke und halte die Ohren heimlich zu, oder ich verliere mich über dem
ersten besten Wort ganz in Gedanken, wenn denn einer etwas nicht versteht, so
erwache ich aus einer andern Welt und masse mir an, die Erklärung darüber zu
geben, und was andre für Wahnwitz halten, das ist mir verständlich und hängt
zusammen mit einem innern Wissen, das ich nicht von mir geben kann. - Von Dir
kann ich durchaus nichts lesen hören, noch selbst vorlesen, ich muss mit mir und
Dir allein sein.
    Achtens: kann ich gegen niemand fremd oder vornehm bleiben, wenn ich im
mindesten unbequem bin, so werde ich ganz dumm; denn es scheint mir ungeheuer
dumm, einander was weiszumachen. Auch dass sich der Respekt mehr in etwas
Erlerntem, als in etwas Gefühltem äußert; ich meine, dass Ehrfurcht nur aus
Gefühl der inneren Würde entspringen müsse. dabei fällt mir ein, dass nahe bei
München ein Dorf liegt, was Kultersheim heißt, auf einem Spaziergang dahin
erklärte man mir, dass dieser Name von Kultursheim herrühre, weil man da dem
Bauernstand eine höhere Bildung zu geben beabsichtigt habe; das Ganze hat sich
jedoch auf den alten Fuß gesetzt, und diese gute Bauern, die dem ganzen Lande
mit schönem Beispiel voranschreiten sollten, sitzen bei der Bierkanne und zechen
um die Wette, das Schulhaus ist sehr groß und hat keine runde, sondern lauter
viereckige Scheiben, doch liebt der Schulmeister die Dämmerung; er saß hinter
dem Ofen, hatte ein blaues Schnupftuch über dem Kopf hängen, um sich vor den
Fliegen zu schützen, die lange Pfeife war ihm entfallen, und er schlief und
schnarchte, dass es widerhallte; die Schreibbücher lagen alle aufgehäuft vor ihm,
um Vorschriften im Schönschreiben zu machen; - ich malte einen Storch, der auf
seinem Nest steht, und schrieb darunter:
    »Ihr Kinder lernt bauen euer Nest mit eigener Hand aufs allerbest. Die Tanne
in dem Walde stolz, die fällt zu eurem Zimmerholz. Und dann, wenn alle Wände
stehen, müsst ihr euch nach 'ner Eich umsehn; daraus ihr schnitzelt Bank und
Tisch, worauf ihr speist gebratnen Fisch. Das best Holz nehmt zu Bett und Wiegen
für Frau und Kind, die ihr werd't kriegen, und lernt benützen Gottes Segen bei
Sonnenschein und auch bei Regen. Dann steht ihr stolz auf eigenem Hort wie der
Storch auf seinem Neste dort. Der
