 von ihr, wie man auch vom Geliebten nichts
weiß, als nur, dass man in ihn verliebt ist. Und jetzt bin ich erst gar ins
Stocken geraten, alles möcht ich gern aussprechen, aber in Worten zu denken, was
ich im Gefühl denke, das ist schwer; - ja, solltest Du's glauben? - Gedanken
machen mir Schmerzen, und so zaghaft bin ich, dass ich ihnen ausweiche, und
alles, was in der Welt vorgeht, das Geschick der Menschen und die tragische
Auflösung macht mir einen musikalischen Eindruck. Die Ereignisse im Tirol nehmen
mich in sich auf wie der volle Strom allseitiger Harmonie. Dies Streben
mitzuwirken ist grade wie in meinen Kinderjahren, wenn ich die Symphonien hörte
im Nachbarsgarten und ich fühlte, man müsse mit einstimmen, mitspielen, um Ruhe
zu finden; und alles Zerschmetternde in jenen Heldenereignissen ist ja auch
wieder so belebend, so begeistigend, wie dies Streiten und Gebaren der
verschiedenen Modulationen, die doch alle in ihren eigensinnigen Richtungen
unwillkürlich durch ein Gesamtgefühl getragen, immer allseitiger, immer in sich
konzentrierter in ihrer Vollendung sich abschließen. - So empfinde ich die
Symphonie, so erscheinen mir jene Heldenschlachten auch Symphonien des
göttlichen Geistes, der in dem Busen des Menschen Ton geworden ist himmlischer
Freiheit. Das freudige Sterben dieser Helden ist wie das ewige Opfern der Töne
einem hohen gemeinsamen Zweck, der mit göttlichen Kräften sich selbst
erstreitet; so scheint mir auch jede große Handlung ein musikalisches Dasein; so
mag wohl die musikalische Tendenz des Menschengeschlechts als Orchester sich
versammeln und solche Schlachtsymphonien schlagen, wo denn die geniessende,
mitempfindende Welt neu geschaffen, von Kleinlichkeit befreit, eine höhere
Befähigung in sich gewahrt.
    Ich werde müde vom Denken und schläfrig, wenn ich mir Mühe gebe, der Ahnung
nachzugehen, da wird mir angst, ja ich möchte die Hände ringen vor Angst um
einen Gedanken, den ich nicht fassen kann. Da möcht ich mit einem Ausdruck Dir
hingeben Dinge, denen ich nicht gewachsen bin, und da schwindet mir alle
Erkenntnis, langsam wie die untergehende Sonne, ich weiß, dass sie ihr Licht
ausströmt, aber sie leuchtet mir nicht mehr.
    Denken ist Religion, fürs erste Feueranbeten, wir werden einst noch weiter
schreiten, wo wir mit dem ursprünglich göttlichen Geist uns vereinen, der Mensch
geworden und gelitten hat, bloß um in unser Denken einzudringen; so erkläre ich
mir das Christentum als Symbol einer höheren Denkkraft, wie mir denn überhaupt
alles Sinnliche Symbol des Geistigen ist.
    Nun, wenn auch die Geister sich mit mir necken und nicht fangen lassen, so
erhält dies mich doch frisch und tätig, und sie haben mir auf den Weg gestreut
gleich einem auserwählten Ritter der Tafelrunde gar mannigfach Abenteuer auf
holperigem Pfad, bekannt
