 sie gefangen nimmt, zum Scherz nur, er
entlässt sie wieder, um sie wieder zu fangen, und was sollte mir auch in Ewigkeit
noch für Freude geschehen, da Dein ewiger Geist, Deine ewige Güte mich in ihre
Herrlichkeit aufnehmen.
    Geschrieben am Tag, da ich Deinen letzten Brief empfangen.
    Das Gedicht gehört der Welt, nicht mein, denn wollt ich es mein nennen, es
würde mein Herz verzehren.
    Ich bin zaghaft in der Liebe, ich zweifle jeden Augenblick an Dir, sonst wär
ich schon auf eine Zeit zu Dir gekommen; ich kann mir nicht denken (weil es zu
viel ist), dass ich Dir wert genug bin, um bei Dir sein zu dürfen.
    Weil ich Dich kenne, so fürchte ich den Tod, die Griechen wollten nicht
sterben ohne Jupiter Olymp gesehen zu haben, wie viel weniger kann ich die
schöne Welt verlassen wollen, da mir prophezeit ist von Deinen Lippen, dass Du
mich noch mit offenen Armen empfangen wirst.
    Erlaube mir, ja fordere es, dass ich dieselbe Luft einatme wie Du, dass ich
täglich Dir unter die Augen sehe, dass ich den Blick aufsuche, der mir die
Todesgötter bannt.
    Goethe, Du bist alles, Du gibst wieder, was die Welt, was die traurige Zeit
raubt; da Du es nun vermagst mit gelassnem Blick reichlich zu spenden, warum soll
ich mit Zutrauen nicht begehren? Diese ganze Zeit bin ich nicht mehr ins Freie
gekommen, die Gebirgsketten, die einzige Aussicht, die man von hier hat, waren
oft von den Flammen des Kriegs gerötet, und ich habe nie mehr gewagt, meinen
Blick dahin zu wenden, wo der Teufel ein Lamm würgt, wo die einzige Freiheit
eines selbständigen Volkes sich selber entzündet und in sich verlodert. Diese
Menschen, die mit kaltem Blut und sicher über ungeheure Klüfte schreiten, die
den Schwindel nicht kennen, machen alle andere, die ihnen zusehen, von ihrer
Höhe herab schwindlig; es ist ein Volk, das für den Morgen nicht sorgt, dem Gott
unmittelbar grade, wenn die Stunde des Hungers kommt, auch die Nahrung in die
Hand gibt; das, wie es den Adlern gleich, auf den höchsten Felsspitzen über den
Nebeln ruht, auch so über den Nebeln der Zeit tront, das lieber im Licht
untergeht, als im Dunkeln ein ungewisses Fortkommen sucht. O Enthusiasmus des
eignen freien Willens! wie groß bist du, da du allen Genuss, der über ein ganzes
Leben verbreitet ist, in einen Augenblick zusammenfassest, darum so lässt sich um
einen solchen Moment auch wohl das Leben wagen; mein eigener Wille aber ist, Dich
wiederzusehen, und allen Enthusiasmus der Liebe wird ein solcher Moment in sich
fassen, und darum
