 zu Ihnen nicht minder gepflegt und geschützt sei als jede
einzelne Pflanze Ihres Parks. Dort hab ich Ihnen auch aus meinen Briefen und dem
Tagebuch an Goethe vorgelesen, Sie haben gern zugehört; ich gebe sie Ihnen jetzt
hin, beschützen Sie diese Blätter wie jene Pflanzen, und so treten Sie abermals
hier zwischen mich und das Vorurteil derer, die schon jetzt, noch eh sie es
kennen, dies Buch als unecht verdammen und sich selbst um die Wahrheit betrügen.
    Lassen Sie uns einander gut gesinnt bleiben, was wir auch für Fehler und
Verstosse in den Augen anderer haben mögen, die uns nicht in demselben Lichte
sehen, wir wollen die Zuversicht zu einer höheren Idealität, die so weit alle
zufällige Verschuldungen und Missverständnisse und alle angenommene und
herkömmliche Tugend überragt, nicht aufgeben. Wir wollen die mannigfaltigen
edlen Veranlassungen, Bedeutungen und Interesse, verstanden und geliebt zu
werden, nicht verleugnen, ob andre es auch nicht begreifen, so mag es ihnen ein
Rätsel bleiben.
    Im August 1834
                                                                   Bettina Arnim
 
                                    Vorrede
Dies Buch ist für die Guten und nicht für die Bösen.
    Während ich beschäftigt war, diese Papiere für den Druck zu ordnen, hat man
mich vielfältig bereden wollen, manches auszulassen oder anders zu wenden, weil
es Anlass geben könne zu Missdeutungen. Ich merkte aber bald, man mag nur da guten
Rat annehmen, wo er der eignen Neigung nicht widerspricht. Unter den vielen
Ratgebern war nur einer, dessen Rat mir gefiel; er sagte: »Dies Buch ist für die
Guten und nicht für die Bösen; nur böse Menschen können es übel ausdeuten,
lassen Sie alles stehen, wie es ist, das gibt dem Buch seinen Wert, und Ihnen
kann man auch nur Dank wissen, dass Sie das Zutrauen haben, man werde nicht
missdeuten, was der gute Mensch nie missverstehen kann.« - Dieser Rat leuchtete
mir ein, er kam von dem Faktor der Buchdruckerei von Trowitzsch und Sohn, Herrn
Klein, derselbe, der mir Druck und Papier besorgte, Ortographiefehler
korrigierte, Komma und Punkt zurechtrückte und bei meinem wenigen Verstand in
diesen Sachen viel Geduld bewies. Diese seine ausgesprochne Meinung bestärkte
mich darin, dass ich den bösen Propheten und den ängstlichen Ansichten der
Ratgebenden nicht nachgab. Wie auch der Erfolg dieses Rates ausfallen mag, ich
freue mich seiner, da er unbezweifelt von den Guten als der edelste anerkannt
wird, die es nicht zugeben werden, dass die Wahrheit eines freudigen Gewissens
sich vor den Auslegungen der Bösen flüchte. -
    Auch dem Herrn Kanzler von Müller in Weimar sage ich Dank, dass er auf meine
Bitte sich bemühte, trotz dem Drang seiner Geschäfte, meine Briefe aus Goethes
umfassendem Nachlass hervorzusuchen, es sind jetzt achtzehn Monate, dass ich sie
in Händen habe
