 grüßten uns nicht, es war als ob wir schon mitten im Gespräch
seien. Wir zwei waren wohl die einzig lebendigen Menschen in ganz Frankfurt und
überall, manchmal küsste sie mich und sprach davon, dass ich in meinem Wesen sie
an Dich erinnere, sie habe auch Dein Sorgenbrecher sein müssen. Sie baute auf
mein Herz. Man konnte ihr nicht weismachen, dass ich falsch gegen sie sei, sie
sagte: »Der ist falsch, der mir meine Lust an ihr verderben will«; ich war stolz
auf ihre Liebe.
    Wenn Du nun nicht mehr auf der Welt wärst! Ach, ich würde keine Hand mehr
regen. Ach, es regen sich so viel tausend Hoffnungen und wird nichts draus. Wenn
ich nur manchmal bei Dir sitzen könnte eine halbe Stunde lang; - da wird
vielleicht auch nichts draus; mein Freund!! -
                                                                   Am 3. Februar
In den wenig Wochen, die ich in Landshut zubrachte, hab ich trotz Schnee und Eis
nah und ferne Berge bestiegen, da lag mir das ganze Land im blendendsten Gewand
vor Augen; alle Farben vom Winter getötet und vom Schnee begraben, nur mir
rötete die Kälte die Wangen; - wie ein einsames Feuer in der Wüste, so brennt
der einzige Blick, der beleuchtet und erkennt, während die ganze Welt schläft.
Ich hatte so kurz vorher den Sommer verlassen, so reich beladen mit Frucht. - Wo
war's doch, wo ich den letzten Berg am Rhein bestieg? - In Godesberg; warst Du
da auch oft? - Es war bald Abend, da wir oben waren; Du wirst Dich noch
erinnern, es steht oben ein einziger hoher Turm, und rund auf der Fläche stehen
noch die alten Mauern. Die Sonne in großer Pracht senkte einen glühenden Purpur
über die Stadt der Heiligen; der Kölner Dom, an dessen dornigen Zierraten die
Nebel wie eine vorüberstreifende Schafherde ihre Flocken hängen ließ, in denen
Schein und Widerschein so fein spielten, da sah ich ihn zum letztenmal; alles
war zerflossen in dem ungeheuren Brand, und der kühle ruhige Rhein, den man
viele Stunden weit sieht, und die Siebenberge hoch über den Ufergegenden.
    Im Sommer, in dem leidenschaftlichen Leben und Weben aller Farben, wo die
Natur die Sinne als den rührendsten Zauber ihrer Schönheit festhält; wo der
Mensch durch das Mitempfinden selbst schön wird: da ist er sich selbst auch oft
wie ein Traum, der vor dem Begriff wie Duft verfliegt. - Das Lebensfeuer in ihm
verzehrt alles; den Gedanken im Gedanken, und bildet sich wieder in allem. Was
das Aug erreichen kann, gewinnt er nur, um sich wieder ganz dafür hinzugeben;
und so fühlt man sich frei und keck in den höchsten Felsspitzen
