 wie die Semiramis.
Die Herrschaft der Frauen verfolgt ihn bis zur Präsidentenstelle an der
Akademie, sie wecken ihn, sie bekleiden ihn, knöpfen ihm die Unterweste zu, sie
reichen ihm Medizin, will er ausgehn, so ist's zu rau, will er zu Hause
bleiben, so muss er sich Bewegung machen. Geht er auf die Akademie, so wird der
Nimbus geschneutzt, damit er recht hell leuchte: da ziehen sie ihm ein Hemd von
Batist an mit frischem Jabot und Manschetten und einen Pelzrock mit prächtigem
Zobel gefüttert, der Wärmkorb wird vorangetragen, kommt er aus der Sitzung
zurück, so muss er ein bisschen schlafen, nicht ob er will; so geht's bis zum
Abend in fortwährendem Widerspruch, wo sie ihm die Nachtmütze über die Ohren
ziehen und ihn zu Bette führen.
    Der Geist, auch unwillkürlich, bahnt sich eine Freistätte, in der ihn nichts
hindert zu walten nach seinem Recht, was diesem nicht Eintrag tut, wird er gern
der Willkür andrer überlassen. Das hat die Mutter oft an Dir gepriesen, dass
Deine Würde aus Deinem Geist fliesse, und dass Du einer andern nie nachgestrebt
habest; die Mutter sagte, Du seist dem Genius treu, der Dich ins Paradies der
Weisheit führt, Du geniessest alle Früchte, die er Dir anbietet, daher blühen Dir
immer wieder neue, schon während Du die ersten verzehrst. Lotte und Lene aber
verbieten dem Jacobi das Denken als schädlich, und er hat mehr Zutrauen zu ihnen
als zu seinem Genius, wenn der ihm einen Apfel schenkt, so fragt er jene erst,
ob der Wurm nicht drin ist.
    Es braucht keinen großen Witz, und ich fühle es in mir selber gegründet: im
Geist liegt der unauslöschliche Trieb, das Überirdische zu denken, so wie das
Ziel einer Reise hat er den höchsten Gedanken als Ziel; er schreitet forschend
durch die irdische Welt der himmlischen zu, alles was dieser entspricht, das
reißt der Geist an sich und genießt es mit Entzücken, drum glaub ich auch, dass
die Liebe der Flug zum Himmel ist.
    Ich wünsch es Dir, Goethe, und ich glaub es auch fest, dass all Dein
Forschen, Deine Erkenntnis, das, was die Muse Dir lehrt, und endlich auch Deine
Liebe vereint Deinem Geist einen verklärten Leib bilden, und dass der dem
irdischen Leib nicht mehr unterworfen sein werde, wenn er ihn ablegt, sondern
schon in jenen geistigen Leib übergeströmt. Sterben musst Du nicht, sterben muss
nur der, dessen Geist den Ausweg nicht findet. Denken beflügelt den Geist, der
beflügelte Geist stirbt nicht, er findet nicht zurück in den Tod. -
    Mit der Mutter konnte ich über alles sprechen, sie begriff meine Denkweise,
