 sprechen. O
böser, harter Mann, was sind das für Geschichten? Wie oft hab ich zu meinem
Schutzengel gebetet, dass er doch für mich mit Dir sprechen soll, und dann hab
ich mich still verhalten und die Feder laufen lassen. Die ganze Natur zeigte mir
im Spiegel, was ich Dir sagen soll; wahrhaftig, ich habe geglaubt, alles sei von
Gott so angeordnet, dass die Liebe einen Briefwechsel zwischen uns führe. Aber Du
hast mehr Vertrauen in die berühmte Frau, die das große Werk geschrieben hat sur
les passions, von welchen ich nichts weiß. - Ach glaub nur, Du bist vor die
unrechte Schmiede gegangen; Lieben: das allein macht klug.
    Über Musik hatte ich Dir auch noch manches zu sagen; es war alles schon so
hübsch angeordnet; erst musst Du begreifen, was Du ihr alles schon zu verdanken
hast. - Du bist nicht feuerfest. Musik bringt Dich nicht in Glut, weil Du
einschmelzen könntest.
    So närrisch bin ich nicht, zu glauben, dass Musik keinen Einfluss auf Dich
habe. Da ich doch glaube an das Firmament in Deinem Geist, da Sonne und Mond
samt allen Sternen in Dir leuchten, da soll ich zweifeln, dass dieser höchste
Planet über alle, der Licht ergießt, der ein Gewaltiger ist unserer Sinne, Dich
nicht durchströme? Meinst Du dann, Du wärst der Du bist, wenn es nicht Musik
wäre in Dir? - Du solltest Dich vor dem Tod fürchten, da doch Musik ihn auflöst?
Du solltest keine Religion haben, da doch Musik in Dich die Anbetung pflanzt?
    Horch in Dich hinein, da wirst Du in Deiner Seele der Musik lauschen, die
Liebe zu Gott ist: dies ewige Jauchzen und Wallen zur Ewigkeit, das allein Geist
ist.
    Ich könnte Dir Sachen sagen, die ich selbst fürchte auszusprechen, obschon
eine innere Stimme mir sagt, sie sind wahr. Wenn Du mir bleibst, so werd ich
viel lernen; wenn Du mir nicht bleibst, so werde ich wie der Same unter der Erde
ruhen, bis die Zeit kommt, dass ich in Dir wieder blühe.
    Mein Kopf glüht; ich hab mich während dem Schreiben herumgestritten mit
Gedanken, deren ich nicht mächtig werden konnte. Die Wahrheit liegt in ihrer
ganzen Unendlichkeit im Geist, aber sie im einfachsten Begriff zu fassen, das
ist so schwer, ach, es kann ja nichts verloren gehen. Wahrheit nährt ewig den
Geist, der alles Schöne als Früchte trägt, und da es schön ist, dass wir einander
lieben, so wolle die Wahrheit nicht länger verleugnen.
    Ich will Dir lieber noch ein bisschen von unserm Zigeunerleben erzählen, das
wir hier am Rhein führen, den wir so bald verlassen werden
