 wohl gerne Deine Studien und errungenen Begriffe aufgeben gegen
ein solches, alles heiligende Geheimnis des göttlichen Geistes in der Musik. Was
lohnte denn auch die Mühe der Forschung, wenn es nicht dies wäre! Nach was
können wir forschen, was bewegt uns, als nur das Göttliche! - und was können Dir
andere, die Wohlstudierten, Besseres und Höheres darüber sagen; - und wenn einer
dagegen was aufbringen wollte, - müsste er sich nicht schämen? Wenn einer sagen
wollte: Musik sei nur da, dass der Menschengeist sich darin ausbilde? - Nun ja!
wir sollen uns in Gott bilden. Wenn einer sagt, sie sei nur Vermittlung zum
Göttlichen, sie sei nicht Gott selbst! Nein, ihr falschen Kehlen, euer eitler
Gesang ist nicht göttlich durchdrungen. Ach, die Gottheit selbst lehrt uns den
Buchstaben begreifen, damit wir gleich ihr aus eigenem Vermögen im Reich der
Gottheit regieren lernen. Alles Lernen in der Kunst ist nur dazu, dass wir den
Grund der Selbständigkeit in uns legen, und dass es unser Errungenes bleibe.
Einer sagte von Christus, dass er nichts von Musik gewusst habe; dagegen konnte
ich nichts sagen; einmal weiß ich seinen Lebenslauf nicht genau, und dann, was
mir dabei einfiel, kann ich nur Dir sagen, obschon ich nicht weiß, was Du dazu
sagen wirst. Christus sagt: »Auch euer Leib soll verklärt werden!« Ist nun Musik
nicht die Verklärung der sinnlichen Natur? - Berührt Musik nicht unsere Sinne,
dass sie sich eingeschmolzen fühlen in die Harmonie der Töne, wie Du mit Terz und
Quint berechnen willst? - Lerne nur verstehen, - Du wirst um so mehr Dich
wundern über das Unbegreifliche. Die Sinne fließen in den Strom der
Begeisterung, und das erhöht sie. Alles, was den Menschen geistigerweise
anspricht, geht hier in die Sinne über; drum fühlt er sich auch durch sie zu
allem bewegt. Liebe und Freundschaft, kriegerischer Mut und Sehnsucht nach der
Gottheit - alles wallt im Blut; das Blut ist geheiligt; es entzündet den Leib,
dass er mit dem Geist zusammen dasselbe wolle. Das ist die Wirkung der Musik auf
die Sinne; das ist die Verklärung des Leibes; die Sinne von Christus waren
eingeschmolzen in den göttlichen Geist, sie wollten mit ihm dasselbe; er sagt:
»Was ihr berührt mit dem Geist wie mit den Sinnen, das sei göttlich, denn dann
wird euer Leib auch Geist.« Siehst Du, das hab ich ungefähr empfunden und
gedacht, da man sagte, Christus habe nichts von Musik gewusst.
    Verzeihe mir, dass ich so mit Dir spreche, gleichsam ohne Basis, denn mir
schwindelt, und ich deute kaum an, was ich sagen möchte
